Uhrumstellung

Die Umstellung der Uhren auf Sommerzeit ist jedes Frühjahr ein besonders Erlebnis. Also, eigentlich müsste ich gar nichts weiter tun, denn die Funkuhr stellt sich automatisch um. Von 1:59 Uhr springt sie halt auf 3:00 Uhr und nicht auf 2:00. Das ist alles.

Aber seit einigen Jahren habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, diesen Prozess ganz bewusst zu begleiten, zur Sicherheit. Man kann ja nie wissen. Vertrauen ist gut, nachts um 1:59 Uhr gebannt auf das Ziffernfeld des Weckers starren, ist besser.

Und dann ist es ja auch ein faszinierendes Phänomen, wenn die Uhr – jeder Logik zeitlicher Kontinuität zum Trotz – von 1:59 Uhr ohne Umschweife auf 3:00 Uhr springt. Ich bin dann immer so aufgeregt, dass ich meine Frau wecken muss. „Guck mal, Schatz: Sommerzeit!“

Ich überlege mir, ob man nicht dieses Umstellungsprozedere zu einer Art Silvesternachfeier ausbauen könnte. So mit Countdown und Sekt. Und alten Rockkonzerten auf 3 Sat. Ich meine, dass die Uhrumstellung kommerziell noch gar nicht richtig ausgeschlachtet ist. So ganz ohne Partymeile und ohne David Hasselhoff. Da ist noch Luft nach oben.

Vielleicht findet sich im Herbst wenigstens eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich mit mir den Funkwecker anschaut, wie er von 2:59 Uhr auf – oh, Zeiten und Sitten – 2:00 Uhr zurückspringt. Einfach so. Wie von Geisterhand. Überlegen Sie sich’s. Es gibt Sekt.

(Josef Bordat)