Irland-Referendum zeigt Deutungshoheit in Fragen des Lebensschutzes

Ich habe zur Sicherheit noch mal nachgeschaut. Ein Blick in meine alten Biologiebücher bestätigt die Intuition. In dem Buch „Biologie – 9./10. Schuljahr“ (1979) heißt es kurz und eindeutig: „Die Entwicklung eines neuen Menschen beginnt mit der Befruchtung einer Eizelle“ (S. 48). Und in „Humanbiologie“ (1987) heißt es: „Sobald eine von 200 Mio. Spermazellen in die Eizelle eingedrungen und ihr Zellkern mit dem Kern der Eizelle verschmolzen ist, ist diese befruchtet. Die Entwicklung des neuen Lebewesens beginnt“ (S. 34). Ein neues Lebewesen, ein neues Leben. Und wenn Spermazelle und Eizelle von zwei Menschen stammen (Mann und Frau schreib ich jetzt mal nicht), dann entsteht – mal mitdenken – ein neues menschliches Leben. Das dazu.

Abtreibung ist die Beendigung menschlichen Lebens. Deutlicher: die Tötung eines ungeborenen Menschen, also eines Menschen, keiner Vorstufe des Menschen, die hinsichtlich des in Deutschland grundgesetzlich gewährten Lebensschutzes nichts zählte, soweit sie eben „noch kein richtiger“ Mensch sei. Im Diskurs über Abtreibungen wird dieses Leben aber oft begrifflich depotenziert, um es rhetorisch aus den Schutzbereich des Grundgesetzes herauszudrängen. Es wird ihm die Eigen- und Vollständigkeit geraubt. Es heißt dann: Es gehe um den Körper der Frau – und zwar nicht primär, sondern ausschließlich. Und: Diese habe ganz allein das Recht, über ihren Körper zu entscheiden.

Der christliche Lebensschutz ist in Zeiten säkularer Deutungshoheiten ständig in der Gefahr einer Selbstmarginalisierung. Die eigene Sprachform muss anschlussfähig bleiben an die Debatten. Dazu mein Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

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