Die Fußball-WM für Katholiken

Ein paar Fakten zur Fußball-Weltmeisterschaft.

1.) Weltmeister werden nur Christen. Es ist noch nie ein Land Weltmeister geworden, in dessen Bevölkerung die Christen nicht in der Mehrheit sind: Brasilien (90 Prozent Christen), Argentinien (96 Prozent), Uruguay (76 Prozent), Italien (87 Prozent), England (74 Prozent), Deutschland (67 Prozent), Spanien (80 Prozent) und Frankreich (55 Prozent).

2.) Der Katholikenanteil an der Bevölkerung beträgt im globalen Durchschnitt etwa 17 Prozent. Die großen Fußballnationen Brasilien (73 Prozent), Argentinien (78 Prozent), Uruguay (74 Prozent), Italien (79 Prozent) und Deutschland (29 Prozent), die zusammen 17 der 20 WM-Titel gewannen, haben einen – zum Teil deutlich – höheren Anteil an römisch-katholischen Gläubigen. Die Gottesmutter ist dabei immer an ihrer Seite: Nossa Senhora Aparecida (Brasilien), die Virgen de Lujan (Argentinien) oder auch die Virgen de los Treinta y Tres (Uruguay). Und wer wie wir einen Nationalheiligen hat, der „Gut gemacht!“ heißt, muss wohl auch nicht um den Erfolg bangen.

3.) Für Katholiken ist eine Weltmeisterschaft immer eine Herzensangelegenheit. Je nach spiritueller Ausrichtung gibt es da ganz unterschiedliche Präferenzen:

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Jesuiten: Große Vergangenheit, heute eher destruktiv bis selbstmitleidig. Hadern dauernd mit dem Schiri, dem Rasen, dem Luftdruck des Balles. Sind regelmäßig kurz vor dem Ausscheiden, stehen dann genauso regelmäßig im Halbfinale und alle fragen sich: Warum? – Argentinien. Gut: Auch wegen Franziskus.

Benediktiner und Franziskaner: Frankreich. – Die einen wegen der Hymne, die anderen wegen „Bruder Hahn“.

Charismatiker: Brasilien.

Küsterinnen und Küster: Unauffällig, zuverlässig, fleißig. – Südkorea.

Katholische Blogger: Belgien. – Hat keiner auf der Rechnung, werden allgemein unterschätzt. Sehr schnell und beweglich. Klares vertikales Spiel.

Ministranten und Organisten: Halten zum Schiedsrichter. Erfahren genauso wenig Wertschätzung. – Aber: Oh, weh sie machen Fehler!

Wir sind Kirche: Halten zu Niemandem. Kritisieren lieber den Schiedsrichter. Und den Ausrichter. Den Veranstalter ohnehin. Rufen zur Gegen-WM in Sterkrade auf: Ost-Timor gegen Kurdistan.

Missionarinnen der Nächstenliebe: Nehmen sich aus Mitleid der Ausgestoßenen an, stehen an der Seite derer, an deren Seite sonst keiner steht. Also: Holland.

Mystiker: England. – Dann können sie sich am Ende freuen, wieder „Nichts“ gewonnen zu haben.

Dominikaner: Technisch perfekt, wissen alles besser. Eine Macht. – Spanien.

Pfadfinderinnen: Portugal. Wegen Cristiano Ronaldo.

Pfadfinder: Alle außer Portugal. Wegen Cristiano Ronaldo. Und der Pfadfinderinnen.

Petrusbrüder: Uruguay. – Tradition und Härte.

Aktivisten der KinderKirche: Dänemark. Logo! Ähm: Lego.

Theologinnen und Theologen (habilitiert): Island. Sind auch immer für Überraschungen gut.

Theologinnen und Theologen (Erstsemester): Australien. Mal was gaaanz anderes.

Gemeindereferentinnen: Finden faire Spiele wichtiger als „Gewinnen um jeden Preis“. Sonst: Mexiko. Oder Kolumbien. Oder „vielleicht auch mal“ Costa Rica. Oder „ein anderes Team aus Afrika“.

Aktive Katholiken im Erzbistum Berlin: Polen und Kroatien.

Sternsinger: „Wir kommen daher aus dem Morgenland.“ Iran. Saudi-Arabien. – Noch Fragen?

Kolping: Egal, wer spielt. Egal, wer gewinnt. Hauptsache, das Bier ist kalt.

Piusbrüder: Peru. Trauern auch der goldenen Vergangenheit nach. Oder: Russland.

Kirchenkritiker. Panama. Auch die sind selten qualifiziert.

Sedisvakantisten: Niemand. Eine WM ohne Italien ist ungültig.

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Wie dem auch sei: Eine schöne Fußball-Weltmeisterschaft! Möge der Beste gewinnen. Also: Deutschland.

(Josef Bordat)

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