Katholische Identität und konfessionelle Differenz

Es wird wieder viel debattiert. Über die Ökumene. Und deren Grenzen. „Kommunionstreit“ ist das fürchterliche Stichwort (Als sei ein Sakrament diskutabel, tauglich zum Streit!). Was bei der Diskussion deutlich wird, ist die konfessionelle Differenz in der Interpretation dessen, was am Altar geschieht: Wandlung in den Zeichen von Brot und Wein oder Handlung mit den Symbolen Brot und Wein? Es geht um diesen Unterschied, der mit der je eigenen Deutung des Geschehens verbunden ist. Es geht um Differenz und Identität.

1. Der Differenzbegriff (und damit die Fähigkeit, strukturiert über Unterschiede zu sprechen) ist die logische Folge des modernen Identitätskonzepts. Mit der Entdeckung des Eigenen (nicht nur individuell Gegebenen, sondern auch kollektiv Komponierten – das große „Wir“ von Völkern, Religionen, Konfessionen, Berufsständen etc.), geht immer auch die Abgrenzung zum Anderen einher (das ebenso große „Die“).

Die Frage ist nun, wie man mit dieser Differenz umgeht: anmaßend oder wertschätzend? Und: Worin besteht im Fall der Kommunion die Anmaßung, worin die Wertschätzung? Ist es anmaßend oder wertschätzend, jedem – ohne Differenzierung – die Kommunion zu spenden? Anmaßend oder wertschätzend gegenüber der Person, gegenüber dem Sakrament, gegenüber dessen Stifter – Gott?

2. Das Prinzip der Identität wiederum gehört zu den philosophischen Axiomen. Das bedeutet, wer Gleiches nicht als gleich erkennt und Ungleiches nicht als ungleich, kann nicht zu wahren Aussagen über die Welt kommen. Ordnung basiert auf Zuordnung, ja, auch auf Abgrenzung. Das gilt auch über die Philosophie hinaus, im Alltag. Identität ist wichtig. Menschen brauchen Identität und suchen sie entsprechend, als Angehörige eines Volkes, eines Kulturraums und nicht zuletzt auch einer Religion bzw. Konfession.

Das katholische Profil zu schärfen und wieder zu einer besonderen Wertschätzung des identitätsstiftenden Kultus und Ritus zu gelangen, in den Sakramenten, insbesondere der Eucharistie, hat nichts mit Anmaßung zu tun. Diese Wertschätzung ist kein Selbstzweck, etwa um sich allein aufgrund des Differenzbedürfnisses von der evangelischen Konfession abzugrenzen oder die Kirche in einer nach Form und Ordnung suchenden Postmoderne interessant zu machen, sondern weil es den Kern des Glaubens betrifft.

Vergleiche dazu auch meinen Essay „Katholische Identität – was ist das?“ (2017) sowie die Replik darauf (Birgit Hoyer).

(Josef Bordat)

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