Vor der WM ist vor der übernächsten WM

Die FIFA hat entschieden. Nein, keine Angst: Die WM 2018 findet statt. Ja, in Russland. Heute um 16 Uhr ist die Eröffnungsfeier, danach spielt der Gastgeber gegen Saudi Arabien. Das Duell zweier „Feinde der Pressefreiheit“ (Reporter ohne Grenzen). Nein, was ich meine: Die FIFA hat über den Austragungsort der übernächsten WM 2026 entschieden. „Ort“ ist gut – zum ersten Mal richten drei Länder das Turnier gemeinsam aus: Mexiko, Kanada und die USA.

Schon interessant: Die USA wollen eine Mauer bauen, an der Grenze zu Mexiko. Die USA wollen eine WM ausrichten, zusammen mit Mexiko. Paradoxien der Gegenwartskultur. Würde mich jedenfalls nicht wundern, baute Kanada demnächst eine Mauer an der Grenze zu den USA.

Warum drei Länder? Weil ein Land es alleine kaum noch schaffen dürfte, mit demnächst 48 Mannschaften. Zu meinen Lebzeiten hat sich damit die WM-Teilnehmerzahl verdreifacht, von 16 (1974) über 24 (1982) und 36 (1998) bis 48 (2026). Ende: wohl offen.

Erst wenn 64 Mannschaften an den Start gehen und Spanien mit Honduras, Sri Lanka und den Kapverdischen Inseln in einer Gruppe um den Einzug ins Sechzehntelfinale kämpft, werden die Fernsehsender und Hauptsponsoren merken, dass man Schwachsinn nicht vermarkten kann. Indianerehrenwort.

(Josef Bordat)

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