Das verordnete Kreuz

In seinem „Standpunkt“ auf katholisch.de kritisiert Andreas Püttmann unter dem Titel „Das Kreuz und die billige Münze“ den Kreuz-Erlass der bayerischen Staatsregierung. Püttmanns Ausgangspunkt ist dabei die Weigerung eines (evangelischen) Behördenleiters, den Erlass umzusetzen. Hier zeigt sich, dass sich Widerstände nicht nur aus säkularistischen Motiven regen, sondern auch Christen ein Problem mit dem „verordneten Kreuz“ haben.

In der Debatte zeigt sich deutlich die Spannung zwischen Glaubenszeichen und Kultursymbol, die im Kreuz steckt. Püttmann ergreift Partei für einen Glauben, der sich nicht verzwecken oder gar verstaatlichen lässt, sich stattdessen eher in Zeichen denn in Symbolen zu erkennen gibt: Christliches Handeln in Behörden brauche kein christliches Symbol an der Wand.

Ich denke, dass ein strenges Entweder-Oder nicht die Lösung ist. Weder der rein abstrakte, anonyme Glaubensvollzug noch die Instrumentalisierung von Religion und deren auf Form und Materie reduzierte Zurschaustellung sind im Kern christlich. Es braucht auch das Gegenständliche, das uns an das Wesentliche erinnert – wer wüsste das besser als wir Katholiken.

Das Kreuz ist unstreitig auch das Symbol einer Wertorientierung, die der moderne Verfassungsstaat mit dem Christentum teilt. Bei aller historischen und kulturellen Bedeutung der christlichen Religion und christlicher Institutionen für den europäischen Staat ist das Kreuz die Versinnbildlichung einer Idee mit universalistischem Anspruch, an die zu erinnern zwei schlichte Holzleisten dienen können – ohne damit gleich das Glaubensbekenntnis mit zu meinen.

Das Kreuz im Foyer meint: Alles hoheitliche Handeln in den Büros dieses Gebäudes soll in Verantwortung vor Gott und dem Menschen geschehen, dessen Würde stets zu achten und zu schützen ist. So betrachtet, hängen die Kreuze in Einrichtungen des Staates goldrichtig. Falsch ist es, mit dem Kreuz zeigen zu wollen: „Hier ist das Abendland – und hier gab es mal was, an das wir uns nostalgisch rückbinden. Das machen wir aber nur, um zu zeigen, dass wir anders sind als ihr und ihr anders seid als wir!“ Wer das Kreuz so deutet, hat den Gekreuzigten nicht verstanden.

(Josef Bordat)

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