Katechismus-Revision: Todesstrafe als „unzulässig“ abgeschafft!

Ich bin gegen die Todesstrafe, selbst in Fällen von gröbster und größter menschlicher Verfehlung. Der Hauptgrund, gegen die Todesstrafe zu sein, ist für mich die Unveräußerlichkeit der Menschenwürde und des elementaren Lebensrechts, eine Unveräußerlichkeit, die aus der Geschöpflichkeit des Menschen resultiert. Gott schenkt uns Leben, über das wir Menschen nicht verfügen dürfen. Wir können uns dieses Geschenk nur in formaler Weise als „Lebensrecht“ zu, niemals aber in Gestalt eines „Tötungsrechts“ absprechen.

Dass der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) die Todesstrafe bisher nicht explizit ausschloss, war für mich – soweit Selbstverteidigung und Nothilfe beim gefangenen Straftäter ja nicht als Gründe für eine Tötung in Frage kommen – immer unverständlich. In Nr. 2266 hieß es: „Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, daß der Angreifer außerstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen. Aus analogen Gründen haben die Verantwortungsträger das Recht, diejenigen, die das Gemeinwesen, für das sie verantwortlich sind, angreifen, mit Waffengewalt abzuwehren.“

Wenn ich dazu Nr. 2267 des KKK las, dann war mir klar, dass es sich bei der Todesstrafe aus katholischer Sicht um eine rein theoretische Option handelt, die für Extremfälle vorgesehen ist, denn „soweit unblutige Mittel hinreichen, um das Leben der Menschen gegen Angreifer zu verteidigen und die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Menschen zu schützen, hat sich die Autorität an diese Mittel zu halten, denn sie entsprechen besser den konkreten Bedingungen des Gemeinwohls und sind der Menschenwürde angemessener.“ „Besser“ und „angemessener“ – im Konjunktiv ging viel vom absoluten Lebensrecht und der absoluten Achtung der Würde des Menschen verloren. Damit ist nun Schluss: Die Glaubenskongregation überarbeitete diese Katechismus-Norm, so dass die Katholische Kirche in Zukunft eine klare Haltung zur Todesstrafe einnimmt: Sie, die Todesstrafe, ist nunmehr unter allen Umständen „unzulässig“, weil sie „einen Angriff auf die Unverletzlichkeit und die Würde des Menschen“ darstellt.

Das dies so klar gesagt wird, ist gut und richtig. Denn auch drei andere Argumente sprechen eindeutig gegen die Todesstrafe: Zunächst die Irreversibilität des Urteils. Einmal vollstreckt, kann es nicht mehr wirksam zurückgenommen werden, wenn sich herausstellt, dass es irrtümlich gefällt wurde. Bei einer Haftstrafe gibt es immerhin die Möglichkeit der Entlassung und der Entschädigung für die Zeit des unrechtmäßigen Freiheitsentzugs. Auch das Argument der größeren Abschreckung scheint nicht wirklich stichhaltig, wenn man Kriminalitätsstatistiken vergleicht. Mir scheint, es geht bei der Todesstrafe am Ende um einen Aspekt des Strafens, der in einem zivilisatorisch entwickelten Strafrecht, gerade auch vor einem christlichen Hintergrund, keine Rolle mehr spielen sollte: Rache. Und schließlich muss es Henker geben, Menschen, die ein Todesurteil vollstrecken. Auch sie werden menschenunwürdig behandelt, als Instrumente eines Strafvollzugs, der gegen die Menschenwürde verstößt. Und daher zurecht abgeschafft gehört. Nicht nur im Katechismus der Katholischen Kirche.

(Josef Bordat)

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