Ich geb‘s ja zu: Ich bin Nazi!

Die Versuche, mich irgendwie (ich hätte jetzt fast geschrieben: „auf Teufel komm raus“) in die rechte Ecke zu stellen, reißen nicht ab. Die ulkigen Begründungen auch nicht.

Einen neuen Versuch startet „Dokumentieren gegen Rechts. Verbindungen und Vernetzungen rechter Organisationen“. Dort gibt es einen Artikel über den Lepanto Verlag (katholisch!). Autor des Artikels ist ein gewisser „B. Kramer“, offenbar auch Betreiber der Seite (ein Impressum konnte ich auf der Seite nicht finden).

Wozu auch, wenn klar ist, wer Gut ist und wer Böse. Und: Katholisch – muss ja rechts sein. Logisch. Bernhard – wer?

In dem Artikel heißt es:

„Josef Bordat, Buchautor für den Lepanto Verlag, ist Blogger der AfD-nahen Freie Welt, die zum Netzwerk von Sven und Beatrix von Storch gehört.“

Na, da hätten wir sie ja alle beisammen! – Ich habe in der Freien Welt vor Jahren einige meiner Blogbeiträge aus Jobo72 zweitveröffentlicht, das ist richtig. Und: Ich habe der Freien Welt mal ein paar Exklusiv-Interviews gegeben. Auch richtig. Unter anderem eines über Morddrohungen gegen mich. Seit März 2013 stelle ich der Freien Welt keine Texte mehr zur Verfügung – die AfD wurde am 6. Februar 2013 gegründet. Nicht, dass mich das irgendwie im Urteil „B. Kramers“ entlasten würde – ich sag‘s nur.

„Als Autor schreibt er außerdem für die Bürgerinitiative Faire Medien, die zum Verein Durchblick e.V. gehört. Der katholische Verein Durchblick ist den radikalen Abtreibungsgegner*innen zuzuordnen.“

Hä? Also, es kann ja sein, dass ich langsam alt werde, aber daran, dass ich „für die Bürgerinitiative Faire Medien schreibe“, kann ich mich jetzt spontan nicht erinnern. Ich meine, der Tag hat auch in Berlin nur 24 Stunden (ich hab‘s recherchiert) und ich kann ja nicht für alles und jeden schreiben. Vielleicht hat die „Bürgerinitiative Faire Medien, die zum Verein Durchblick e.V. gehört“ ja auch mal einen Text von mir übernommen. Kann ich mir gut vorstellen, so als „radikaler Abtreibungsgegner*in“.

„Als Online-Redakteur arbeitet Bordat für die katholische Zeitung ‚Die Tagespost‘“.

Richtig. Ist übrigens die erste Behauptung in dem Abschnitt über meine Person, für die dann auch ein Beleg angeboten wird. „B. Kramer“, Sie steigern sich!

„Sein aktuelles Buch: ,Von Ablaßhandel bis Zölibat – Das „Sündenregister“ der Katholischen Kirche‘,“

Falsch. Mein aktuelles Buch ist: „Autogenes Training im Wettkampfmodus. Satiren“. Nazi-Humor vom Feinsten! Kaufen! Jetzt! Befehl des Führers.

„ebenfalls im Lepanto Verlag erschienen, wird Bordat in diesem Jahr nicht nur der Frankfurter Buchmesse vorstellen dürfen, sondern zusätzlich noch in diversen Berliner Gemeindezentren.“

Ja? Darf ich? Und: Was will uns „B. Kramer“ damit sagen? Frankfurter Buchmesse, Berliner „Gemeindezentren“ (auch an Zitaten merkt man, ob jemand Ahnung hat) – alles Nazi? Und: „divers“ – schön wär‘s! Momentan muss ich betteln, dass ich überhaupt mal irgendwo lesen darf. – Ich komme übrigens auch gerne mal zu Ihnen. Ja, auch ohne Honorar.

Aber ich will nicht jammern. Nazis jammern nicht.

Also, dann. Zum Mitschreiben: Ich war – ich geb‘s zu, es hat ja keinen Sinn, es immer wieder zu leugnen – ab 1932 Mitglied der NSDAP und spätestens ab 1938 Mitglieder der Waffen-SS. So, jetzt ist es raus. Meine Beteiligung am Röhm-Putsch ist allerdings umstritten.

Meine Fresse, Leute! Nicht nur, dass ihr mit so einem Schwachsinn eure Lebenszeit vergeudet, nein: Ihr torpediert auch den absolut notwendigen Einsatz gegen Rechtsextremismus und seine Erscheinungsformen, der tagtäglich von vielen Menschen geleistet wird. Das ist doch der Punkt, „B. Kramer“: Wenn alles „Nazi“ ist, was Sie nicht verstehen, dann ist es am Ende keiner.

(Josef Bordat)

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