Kreativer Syllogismus im Dienst der guten Sache

Bin mal gespannt, ob ich es in Frankfurt überhaupt aufs Messegelände schaffe, oder ob ich gleich am Hauptbahnhof festgenommen werde. Ginge es nach der Amadeu Antonio Stiftung, wäre das wohl eine der sinnvolleren Optionen für den Verlauf des heutigen Tages. Jene Stiftung, die ich bisher (irrtümlich, wie ich jetzt weiß) mit dem ehrenwerten Einsatz für Toleranz und Menschenrechte in Verbindung gebracht hatte, stellt eine Plattform zur Verfügung. Auf dieser wird der Verlag, bei dem ich bisher drei Bücher veröffentlichte, der Lepanto-Verlag, in ein allzu rechtes Licht gerückt – und meine heutige Buchvorstellung in einen Kontext mit Islam-Hass und Gewaltbereitschaft. Das ganze mit jener bestechenden Logik, die ich sonst nur von leicht übermotivierten Einzelbloggern kenne. Tu quoque, Amadeu Antonio Stiftung?

Es sieht so aus. Nach der Lektüre eines als „Lexikonartikel“ getarnten Gesinnungsgutachtens drängt sich mir die Frage auf: Was fasziniert mich eigentlich an solchen Texten wie dem von Autor Robert Wagner?

Ist es das so irritationsfreie Geschichtsbild, das Stichwörter wie „Lepanto“ ebenso unmissverständlich wie souverän einordnet? „Das katholische Europa in Form von Spanien, Venedig und dem Papst“ – nein, nein, ich denk mir das nicht aus, das steht da so (genau so). Ist es dieses zielsichere Sendungsbewusstsein, das hinter jedem Baum, in dessen Schatten man nicht selber ruht, „Instrumentalisierung der Geschichte“ wähnt? Ist es die Eleganz, mit der die eigene Deutung von Sachverhalten in ein allgemeines und bindendes Urteil überführt wird? Ist es die Ignoranz, mit der man dabei verkennt, dass eine schiefe Deutung nicht zu einem gerechten Urteil führen kann (geht wirklich nicht). Also: Ist es dieses bislang nur bei Stefan Effenberg eruierte Maß an Selbstsicherheit, das einem rät, vor dem Urteilen am besten nicht mehr nachzudenken, weil man einer von den Guten ist? Ich meine, wenn man schon keinen Unterschied mehr macht, so von „rechten bis rechtsextremen Gruppierungen“ und in drei Sätzen und zwei Gedankenschritten von einer Bezugnahme auf Lepanto zur Befürwortung des Dritten Weltkriegs („Verteidigung Europas [..] mit Waffengewalt“) gelangt (Respekt!). Oder vielleicht doch die Genauigkeit der Datensammlung zu verdächtigen Subjekten in Sorge um die Sicherheit des Staates? Das Bemühen, einem auch sprachlich dürftigen Text mit unnötigen Fremdwörtern künstlich Niveau zu verleihen? „Toxisches Narrativ“ – da hat aber jemand Soziologie studiert, und wie! Oder sind es am Ende die sich in meinem Kopf bildenden ersten Entwürfe einer Antwort auf die Frage, wie viel feindbildideologisches Nullsummendenken man genau verinnerlicht haben muss, um die Welt derart in schwarz (denkt nicht so wie ich) und weiß (ich) einzuteilen?

Nein, jetzt weiß ich, was mich fasziniert: Es ist die innere Logik, die solche Dossiers durchzieht. „Einer der Texte des Autors erschien in X. X ist rechts. Also: Er, der Autor, ist rechts.“ – „P hat Kontakt zu X. X ist – wie gesagt – rechts. Also: P ist rechts.“ – „P‘ kennt jemanden, der jemanden kennt, der P kennt. P ist – wie gezeigt – rechts. P‘ dann natürlich auch, du Nazi!“ Der Verlag „versteht sich als ‚Katholischer Verlag für Theologie und Philosophie‘. Jaha! Da versteht er sich aber falsch! Also: Er, der Verlag, ist rechts.“ Und, merke: Rechts ist rechtsextrem ist Nazi. Nazi ist doof.

Wie gut, dass Autoren und Plattformen der Amadeu Antonio Stiftung auch diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben sind.

(Josef Bordat)

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