Und noch einmal: Zölibat

Ist der Zölibat Schuld an sexuellen Übergriffen von Priestern?

Das wurde ich kürzlich gefragt. Nicht zum ersten Mal. Dahinter steckt für mich die Vorstellung, dass ein Mann, der keine Frau hat, irgendwann zwangsläufig sexuell übergriffig werden müsse – von Natur aus Täter. Dem ist nicht so. Entsprechend gibt es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch, dass man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Missbrauchstätern.

Aber: Die zölibatäre Lebensform war (und ist) attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen lässt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem – nicht nur der Kirche, sondern aller Einrichtungen der Erziehungs- und Bildungsarbeit.

Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Missbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht.

Alles, was ich sonst noch zum Thema „Zölibat“ zu sagen habe, können Sie sich heute in der Radio Horeb-Sendung „Katechismus“ (16:30 Uhr) anhören oder hier durchlesen.

(Josef Bordat)

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