Ratgebersendungen, investigative

Meine Frau hat ein neues Hobby: Das Schauen von investigativen Ratgebersendungen zum Thema Ernährung und Gesundheit aus der Arte-Mediathek. Und die ist sehr groß, die Mediathek. In den Beiträgen wird gezeigt, was genau an Zucker so gefährlich ist, wie die Zucker-Industrie gefälschte Studien in Auftrag gibt und warum unsere Politiker dabei mitspielen (Stichwort: Korruption). Oder: Warum Fleisch so gefährlich, wie die Fleischindustrie gefälschte Studien in Auftrag gibt und warum unsere Politiker dabei mitspielen (Stichwort: Korruption). Oder: Warum Alkohol so gefährlich, wie die Brauereien gefälschte Studien in Auftrag geben und warum unsere Politiker dabei mitspielen (Stichwort: Alkohol). Oder: Warum Bewegungsmangel… ich denke, Sie haben das Prinzip verstanden.

So sitzen wir nun jeden Abend vor dem Fernseher und statt slowakischem Zweitliga-Fußball oder Bud Spencer-Filmen dringt das geballte Wissen der Arte-Mediathek deutsch-französisch in unser trautes Heim. Immer wieder unterbrochen vom vorwurfsvollen „Siehst Du – ganz gefährlich!“ meiner Frau. Zucker, Fleisch, Alkohol, Bewegungsmangel. Politiker. Selbstredend gibt es dazu nun nicht etwa Weizenbier und „was zu knabbern“, wie das zu Zweitliga-Zeiten üblich war, sondern das, was Arte-Chefkoch René empfiehlt: gedünstete Petersilie aus ökologisch unbedenklicher Hanglage. Was mir jetzt zum vollendeten Glück noch fehlt: Eine investigative Ratgebersendung, die zeigt, wie gefährlich das andauernde Schauen von investigativen Ratgebersendungen ist.

(Josef Bordat)

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