Nahtoderfahrungen als Zeichen des Himmels

Zum Untersuchungen eines katholischen Mediziners zeigen: Es gibt ein Leben nach dem Tod.

Berichte über Nahtoderfahrungen haben Konjunktur. Zuletzt landete der Neurochirurg Eben Alexander einen Weltbestseller. Er hat eine Nahtoderfahrung gemacht, die ihn ans Jenseits glauben lässt. Er beschreibt sie Proof of Heaven (zu deutsch: „Blick in die Ewigkeit“, 2013 – Rezension). Alexander schreibt einen Bericht über seine Reise in eine andere Dimension – nachvollziehbar, eindrücklich und kompetent. Er bringt damit die Nahtodforschung auf einen völlig neuen Kenntnisstand.

Auch diese wissenschaftliche Nahtodforschung selbst und ihre publizistische Rezeption erlebt eine Blüte. Der Tod als finale „Grenzerfahrung“ (Jaspers) ist seit jeher Gegenstand der professionellen Philosophie und des menschlichen Nachdenkens überhaupt. Mehr noch: Es fasziniert nicht nur, über eine Fortexistenz jenseits des Irdischen zu spekulieren, derartige Vorstellungen sind zudem konstitutiver Bestandteil jeder Religion, die hinter dem Phänomen das transzendente Numen vermutet, zu dem sie eine Beziehung aufbaut, welche sie rituell gestaltet.

Die Nahtodforschung knüpft also einerseits an einen weitgehend geteilten kulturellen Habitus an, andererseits stößt sie auf ein großes öffentliches Interesse, auch in einem säkularen Umfeld – geradezu ideale Bedingungen. Das schlägt sich in zahlreichen Publikationen nieder, die zusammen genommen den Fortschritt der Nahtodforschung dokumentieren, zugleich jedoch qualitativ sehr unterschiedlich sind, da sie auf mehr oder weniger seriöser Arbeit basieren. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist nicht immer leicht und weltanschauliche Prädispositionen lassen die Bewertung von Neuerscheinungen weit auseinandergehen.

Eine gelungene wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Nahtodforschung steht idealerweise über den geglaubten Vorannahmen und berücksichtigt aktuelle Laborerkenntnisse, deutet diese jedoch nicht unter Ausblendung tradierter Wissensbestände kulturell-religiöser Provenienz. Gute Nahtodforschung ist also weder ahistorisch noch gegenwartsblind. Gute Nahtodforschung verbindet natur- und geisteswissenschaftliche Resultate zu einer ganzheitlichen Interpretation des Geschehens am Rande unserer Existenz. Sie kann dabei naturwissenschaftlich sein wie bei Birk Engmann in „Mythos Nahtoderfahrung“ (2011 – Rezension) oder bewusstseinsphilosophisch wie bei Michael Nahm in „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet: Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe“ (2012 – Rezension); beides legitime Zugänge zu einem schwierigen Thema, das idealerweise transdisziplinär verhandelt wird.

Die Nahtodforschung kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit also nicht beklagen. Der Esoterik-Markt boomt ohnehin. Doch wie steht die Katholische Kirche eigentlich zu diesem Thema? Der christliche Glaube an die Auferstehung Jesu suggeriert zumindest ein begründetes Anfangsinteresse an der Nahtodforschung, obgleich das Verständnis von „Neuem Leben“ theologisch ein anderes ist als in der Biologie und in der Medizin. Interessant ist es für den gläubigen katholischen Christen, wenn Phänomene in Todesnähe fachkundig und zugleich aus dem Glauben heraus gedeutet werden. Insofern ist das Buch „Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels“, das jetzt bei Media Maria erschien, eine echte Bereicherung der Debatte.

Patrick Theillier, langjähriger Leiter des Medizinischen Büros von Lourdes, stellt uns sieben spektakuläre Fälle von Nahtoderfahrungen vor, die er für ein Zeichen des Himmels hält, das uns an unsere letzte Bestimmung erinnern soll. Er interpretiert sie aus der medizinischer, theologischer und philosophischer Sicht. Theillier erklärt nachvollziehbar ihre Phänomenologie und weicht auch wissenschaftlichen Kontroversen nicht aus. Marc Aillet, Bischof von Bayonne, Lescar und Oloron, hat zu seinem Buch ein anerkennendes Vorwort geschrieben. Wer sich also aus katholischer Perspektive mit dem Thema „Nahtoderfahrungen“ befassen möchte, ist hier sehr gut aufgehoben.

Bibliographische Daten:

Patrick Theillier: Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels.
Illertissen: Media Maria (2019).
224 Seiten, 18,95 EUR.
ISBN-13: 978-3-9479310-1-9.

(Josef Bordat)

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