Wer bin ich? Wo stehe ich? Was tue ich?

Zum Sechsten Sonntag in der Fastenzeit (Palmsonntag – Palmarum)

Am Palmsonntag (Dominica in Palmis de passione Domini) wird in den Heiligen Messen der Katholischen Kirche die Passion unseres Herrn Jesus Christus gelesen – in diesem Jahr nach Lukas (22, 14 bis 23, 56). Das ist ein oft ein sehr routinierter Vorgang: Man kennt den Text, weiß, was als nächstes kommt. Spannung kann höchstens durch eine ungewöhnliche Betonung in den Vorgang hineingetragen werden. Oder durch die Frage, wo man wohl selbst gestanden hätte, damals. – Eine Betrachtung.

Wer bin ich – in der Passion meines Herrn?
Wo stehe ich – am Karfreitag?
Was tue ich – davor, danach, währenddessen?

Bin ich Judas, der verrät, um des eigenen Vorteils willen?

Bin ich Petrus, der verleugnet, sobald Nachfolge schwer wird?

Bin ich Pilatus, der sich im Urteil leicht verleiten lässt?

Bin ich Simon, der Andern hilft, ihr Kreuz zu tragen?

Bin ich Veronika, die tröstet und Tränen trocknet?

Bin ich einer, der im Schutz der Masse nach Vergeltung schreit?

Weine ich, wie die Frauen?

Bin ich Josef von Arimathäa: Ein heimlicher Verehrer, der sich vor dem Gerede der Menschen fürchtet? Der Angst hat, nicht mehr ernst genommen zu werden, weil er sich nicht dem Zeitgeist unterwirft?

Bin ich unter dem Kreuz, am Freitag Nachmittag? Auch dann, wenn die Erde bebt? Wie Johannes? Und die Frauen?

Bin ich der Verbrecher, der in Jesus sein Heil erkennt?

Bin ich der Soldat, der zum Glauben kommt?

Oder spiele ich lieber um das, was des Herrn ist – auf das Glück der Welt vertrauend? Wie die andern Soldaten?

Wer bin ich?
Wo stehe ich?
Was tue ich?

(Josef Bordat)

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