Die Tradition der Bitt-Tage

Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden liturgisch als „Bitt-Tage“ gestaltet. Es geht in den Andachten und Prozessionen um gedeihliches Wetter für eine gute Ernte. Diese Tradition wird heute noch im ländlichen Raum gepflegt. Die Menschen beten, dass Gott Seine segnende Hand schützend über Wald und Flur halte, damit die Bauern im Herbst die Früchte ihrer Arbeit ernten können.

Das Bewusstsein für den Zusammenhang von Wetter- und Ernährungslage ist in einer Zeit, wo es das Gemüse im Supermarkt zu kaufen gibt, in weiten Teilen abhanden gekommen, zumal wir im gemäßigten Klima Mitteleuropas meist mit gutem Wetter gesegnet sind. Doch der Blick in andere Teile der Welt macht deutlich, wie schnell durch ungünstige Wetterlagen und Extremereignisse wie Sturm oder Starkregen die Ernährungslage in den betroffenen Regionen gefährdet wird. Auch daran erinnern die Bitt-Tage.

Die Gottesdienste an den Bitt-Tage sollen deutlich machen, dass der Mensch in „Schöpfungsmitverantwortung“ die Natur nutzen soll. Ja, nutzen, denn sie ist für uns da. Doch ohne sie auszubeuten, denn das hieße, sie für kommende Generationen in ihrer Nutzbarkeit zu gefährden. „Nachhaltigkeit“ ist das Konzept, das in der Naturnutzung zentral sein sollte.

Die Liturgie zu den Bitt-Tagen soll zudem verdeutlich, dass der Mensch bei allem, was er in der Welt tut, in Gottes Hand geborgen ist, auf Gottes Gnade setzen, mit Gottes Hilfe rechnen darf. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für jede Arbeit. So dürfen sich auch die Städter, die in Industriebetrieben, Verwaltungsgebäuden und Dienstleistungsunternehmen beschäftigt sind, mit einbezogen fühlen in das Bittgebet der Kirche.

(Josef Bordat)

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