Dreifaltigkeit in Dreieinigkeit

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

Gott ist dreifaltig einer,
der Vater schuf die Welt.
Der Sohn hat uns erlöset,
der Geist uns auserwählt.

(Gotteslob, Nr. 354)

 

Das relationale Bild der Trinität versucht die Beziehung der göttlichen Personen untereinander (Vater und Sohn, verbunden durch den Heiligen Geist) sowie die unterschiedlichen Modi der Beziehung Gottes zum Menschen zu erfassen: Schöpfer, Erlöser, Beistand. Dabei durchdringen sich die Personen, so dass Gott Vater, Gott Sohn und der Heilige Geist eins sind und in der Einheit gleichermaßen Teil haben an Schöpung, Erlösung und Begleitung des Menschen – bis zur Vollendung. Es sind drei Personen in einem Gott, nicht drei Götter mit getrennten Aufgabenbereichen. Dennoch sind es drei verschiedene personale Formen, die uns Gott je unterschiedlich erfahren lassen.

„Die Dreifaltigkeit“, so Papst Franziskus, „ist Gemeinschaft der göttlichen Personen, die eine mit der anderen, eine für die andere, eine in der anderen sind: diese Gemeinschaft ist das Leben Gottes, das Geheimnis der Liebe des lebendigen Gottes. Und Jesus hat uns dieses Geheimnis offenbart. Er hat zu uns von Gott als dem Vater gesprochen; er hat zu uns vom Heiligen Geist gesprochen; und er hat zu uns von sich selbst als Sohn Gottes gesprochen. Und als er nach seiner Auferstehung die Jünger ausgesandt hat, um die Völker zu evangelisieren, hat er ihnen aufgetragen, sie „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen (Mt 28, 19). Dieses Gebot vertraut Christus zu allen Zeiten der Kirche an, die von den Aposteln den Auftrag zur Mission geerbt hat. Er richtet es auch an einen jeden von uns, die wir kraft der Taufe Teil seiner Gemeinde sind.“

Vater – Sohn – Heiliger Geist. Für dieses Gottesbild gibt es zwei deutsche Bezeichnungen, die die ganze Spannung zwischen Einheit und Verschiedenheit erkennbar machen: Dreifaltigkeit und Dreieinigkeit. Gott entäußert sich in Seiner Schöpfung, in Seinem Wort und in Seiner schöpferischen Kraft der Liebe: Dreifaltigkeit. Doch die Relation der drei göttlichen Personen zueinander führt nicht zur Eingrenzung der jeweils anderen personalen Form von Göttlichkeit. Die Personenn weisen einander nicht feste Plätze zu, schon gar nicht weisen sie sich in die Schranken partikularer Kompetenz. Gott ist in sich relational, wird damit aber nicht relativ. So sehr sind die göttlichen Personen miteinander verbunden, dass wir von Durchdringung, von Einheit sprechen können: Dreieinigkeit.

„Gott ist dreifaltig einer“, so heißt es in einem Kirchenlied zum Glaubensbekenntnis (Nr. 354 im Gotteslob). Tatsächlich gehört die Trinität als Dreifaltigkeit in Dreieinigkeit zu den zentralen, unumstößlichen Glaubenswahrheiten des Christentums. Sie ist für die ganze Menschheit von größter Relevanz. Denn: Aus dem Verständnis von Gott als Relation dreier Personen, die in Verschiedenheit geeint sind und in Einheit verschieden bleiben, erwächst eine dialogische Grundhaltung, die den Menschen (das Abbild Gottes) ebenso als „Beziehungswesen“ begreift, als ein ens sociale, das auch unter den faktischen Bedingungen der Verschiedenheit den Gedanken der Einheit nie ganz verwirft. Durch eine schlichte Analogie können wir Christen von Gott selbst lernen, wie Beziehungen gelingen. Damit ist der Grund gelegt für eine kooperativere und friedlichere Welt.

(Josef Bordat)