Gleichgültigkeit, oder: Wie mir drei Jugendliche den Wert der Eucharistie vermittelten

Es schien, als seien sie nur zur Messe gekommen, um mal in Ruhe reden zu können. Und das taten sie dann auch. Die drei jungen Leute steckten die Köpfe zusammen über einem Handy in ihrer Mitte. Ich sah das, weil ich mich mehr als einmal zu ihnen umblickte, um ihnen irgendwie zu signalisieren, dass ich mich gestört fühlte.

Was mich dabei verblüfft hat: Die drei zeigten keinerlei Hemmungen. Auch, als ich beim vierten Umblicken nicht den allerfreundlichsten Gesichtsausdruck zeigte – keine Spur einer Veränderung. Statt dessen: Gleichgültigkeit. Ohne weiteres, also auch keine Betroffenheit, die das Gespräch zumindest zeitweilig unterbrechen lässt. Auch nicht bei der Präfation, auch nicht bei der Wandlung. Irgendwie traf mich das dann stärker als zuvor.

Während der Lesung lachen – nicht schön. Aber – was soll’s. In der Predigt quatschen, immer drei dB lauter als der Priester – nun, ja. Aber – vergessen wir’s. Doch nun, während der Wandlung fortzufahren, als sei nicht geschehen, vielmehr: als geschehe nichts, das bringt mich innerlich auf.

Hatte mich die Störung zuvor genervt, so verletzte sie mich jetzt. War ich zuvor wütend gewesen, wurde ich nun traurig. Da ist der Herr. Hier ist unser Handy. Und das Handy ist stärker. In mir wird es leer. Ich fühlte mich wie unter dem Einfluss schier unendlicher Kälte. Gleichgültigkeit – selten zuvor wurde sie mir als moralisches Übel so deutlich vor Augen geführt.

Die Gleichgültigkeit zeigt mir aber auch, dass ich im Glauben wohl doch noch tiefer zu empfinden vermag, als ich dachte. Diese drei herumalbernden, geschwätzigen Jugendlichen haben mir gezeigt, dass ich dem Sakrament der Eucharistie wirklich einen hohen Wert beimesse. Das konnte ich erst merken, als ich mich in der Andacht so massiv gestört fühlte. Erst durch die Gleichgültigkeit Dritter habe ich meine eigene Entschiedenheit erkannt. Bei Gott ergibt selbst die Gleichgültigkeit Sinn.

(Josef Bordat)