Dominikus – ein großer Glaubenszeuge

Dominikus wirkte als Prediger gegen die Häresien seiner Zeit. Mit Geduld, Überzeugungskraft und Friedfertigkeit trat er den Albigensern intellektuell entgegen. Später entstand aus dieser Arbeit der Predigerorden, dessen Hauptaufgabe es war, durch Wort und Beispiel die Irrgläubigen zu bekehren. Maß nehmen können die Dominikaner an ihrem Gründer, aber auch an Paulus, der sich in ganz ähnlicher Situation befand, als er in Athen Andersgläubigen predigte – oder aber Christen, die sich auf Abwegen befanden, wie in der Gemeinde von Korinth.

Davon spricht die Lesung zum heutigen Dominikus-Gedenken (1 Kor 2, 1-10a). Paulus gibt da die Losung aus, dass es nicht darauf ankommt, „glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen“, sondern „das Zeugnis Gottes zu verkündigen“. Freilich hilft eine interessante und lebhafte Art des Vortrags schon und es sollte auch informativ sein, was man sagt, aber entscheidend ist doch nicht der Unterhaltungswert oder der akademische Nutzen, sondern der Zeugnischarakter. Nur in der Wahrheit echter Erfahrung mit Gott kann man überzeugen. Denn der Glaube soll sich „nicht auf Menschenweisheit stütz[en], sondern auf die Kraft Gottes“.

Predigen – das ist also nicht die Kunst der „Überredung durch gewandte und kluge Worte“, sondern der „Erweis von Geist und Kraft“. Dennoch gehe es dabei, so Paulus weiter, um eine Art Weisheit. Aber eben nicht um die „Weisheit dieser Welt“, die man in der Schule oder an der Uni lernt. Christian Wolff, ein Philosoph der Frühaufklärung, der alle philosophischen Begriffe ins Deutsche zu bringen versuchte, und dabei so wichtige Begriffe prägte wie den der „Bedeutung“ und der in seinem Deutsch die lateinische „causa“ je nach Verwendungszusammenhang als „Grund“ oder als „Ursache“ übersetzte, hat auch nach einem deutschen Wort für „Philosophie“ gesucht – und „Welt-Weisheit“ gefunden.

Philosophie ist die Weisheit dieser Welt. Je nach Betonung landet man entweder beim Stolz („Weisheit“) oder bei der Demut („dieser Welt“). Paulus macht deutlich, dass es der „Weisheit dieser Welt“ an etwas mangelt – an gläubiger Gotteserkenntnis aus „Geist und Kraft“. Darum will er in seiner Predigt nicht die hellenistische Philosophie fortschreiben, auch wenn er von dieser beeinflusst ist, sondern „das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes“ verkündigen, „die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung“. Gottes Weisheit ist der Welt-Weisheit überlegen, weit überlegen.

Jemand, der genau dies zum Ausgangspunkt einer eigenen Glaubensgeschichte gemacht hat, ist Peter Wust. In „Ungewißheit und Wagnis“ geht er zunächst den Möglichkeiten nach, die das Denken, das Erkennen dem Menschen in seiner existentiellen Unsicherheit bietet (der Mensch ist hier ein „homo philosophicus“), um schließlich im Glauben, im Bekennen die einzige Form der „Geborgenheit in der Ungeborgenheit“ zu finden (der Mensch wird „homo religiosus“).

Gotteserkenntnis geschieht – trotz der Erkenntnisleistung – nicht durch den denkenden Verstand, sondern durch das fühlende Herz. Gott bleibt jedoch auch für denjenigen, der sich zum Glauben entschlossen hat, nie ganz greifbar, sondern präsentiert sich bald enthüllt, bald wieder verhüllt. Tatsächlich: Glaube ist bei Peter Wust ein mutiger Entschluss. Es ist das „Wagnis der Weisheit“. Weisheit heißt für ihn nicht philosophisch-akademisches, sondern existentielles Wissen und Erkennen, das seinen Ausdruck in einer Lebensweisheit findet, die zu ehrfurchtsvollem Gottvertrauen, zur Gelassenheit des Glaubens und zur Liebe führt.

Das liegt auf der Linie der Unterscheidung des Paulus von „Weisheit dieser Welt“ und „Weisheit Gottes“. Die Weisheit, die Wust meint, setzt also eine Abkehr von der Erwartung voraus, die reine Welt-Weisheit habe letzte Antworten, was zu einer Haltung grundsätzlicher Offenheit führt, die Voraussetzung dafür ist, sich auf die Weisheit Gottes einzulassen (also: zu glauben), die wir als Menschen nie ganz durchdringen können – daher ist der Glaubensentschluss ein „Wagnis“.

Der Mut für dieses „Wagnis der Weisheit“ kann allerdings sehr wohl ganz nüchtern aus der Betrachtung des Lebens eines Heiligen gewonnen werden, der nicht nur theoretisch bleibt in seiner Predigt, sondern auch praktisches Beispiel christlichen Handelns gibt. Wie Dominikus. Während einer Hungersnot verkaufte er alles, was er hatte, auch die teuren und ihm so lieben Bücher, die er für seine Missionsarbeit brauchte. Doch er sah, dass er andere Prioritäten zu setzen hatte: „Wie könnte ich in diesen toten Büchern studieren, wenn ich weiß, dass lebende Menschen am Verhungern sind?“ Wenn dem Wort des Predigers nur geglaubt wird, wenn auch das Beispiel überzeugt, ist Dominikus ein großer Glaubenszeuge.

(Josef Bordat)