Der Algorithmus

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Sie – nachdem Sie via Suchmaschine Informationen über „Fliesenkleber für außen“ eingeholt hatten – sich vor einschlägigen Angeboten nicht mehr retten konnten? Im Sozialen Medium wird Ihnen „frostbeständiger Fliesenkleber“ feilgeboten. „Schulze & Söhne, Fliesen und Parkett vom Profi“ schreibt Ihnen eine Mail („Das müssen Sie doch nicht selber machen, Herr [Email-Adresse]!“). Neben der Online-Ausgabe Ihrer Hauszeitung erscheint ein Werbe-Banner des örtlichen Baumarkts, Abteilung „Wand und Boden“.

Ja, das ist der Algorithmus, bei dem ein jeder mit muss. Man könnte sich den ja mal zu Nutze machen, dachte ich, und stellte Kollegen „Google“ die Frage, wo ich gestern meine Brille hingelegt hatte. Ich fand sie heute morgen nicht. Statt der Ortsangabe (Wofür bitte gibt‘s denn „Google Maps“?), erhielt ich allerdings bloß die Offerte eines auf Demenz spezialisierten Klinikums in der Nähe von Berlin. Meine Brille fand ich dann ganz analog.

Schön wäre es, wenn die zahlreichen Sinnfragen, die Menschen heutzutage nicht mehr ihrem Lebenspartner, sondern nur noch der Suchmaschine anvertrauen, zur Website der örtlichen Pfarrei führten. Für jedes gegoogelte „Gibt es Gott?“ sollte es wochenlang Werbung für aktuelle Bibelausgaben hageln. Und ein Angebot der Gesammelten Werke Ratzingers und Rahners. Zum Vorzugspreis.

(Josef Bordat)