Klimaschutz und Katholische Kirche

In dieser Woche verhandeln Union und SPD über das so genannte „Klimapaket“. Die Regierungskoalition ist sich einig, dass die „Menschheitsaufgabe“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU) Klimaschutz große Kraftanstrengungen rechtfertigt und als ein „sehr ehrgeiziges“ (Bundesfinanzminister Olaf Scholz, SPD) Projekt vorangetrieben werden muss. Man kann nur hoffen, dass den Worten nun auch Taten folgen. Soweit zum Staat.

Nun zur Kirche. Das Thema Klimaschutz ist für die Katholische Kirche ein sehr wichtiges. Und das nicht erst seit Papst Franziskus‘ Umweltenzyklika Laudato si‘ (2015). Es war bereits Papst Benedikt XVI., der eine Solarstromanlage von der Größe eines Fußballfeldes im Vatikan errichten ließ. Jedes Jahr werden damit rund 220 Tonnen CO2 eingespart. 2008 erhielt der Vatikan dafür den „Europäischen Solarpreis“. In Benedikts Botschaft zum Weltfriedenstag 2010 heißt es außerdem: „Wie könnte man gleichgültig bleiben angesichts von Phänomenen wie dem globalen Klimawandel, der Desertifikation, der Abnahme und dem Verlust der Produktivität von großen landwirtschaftlichen Gebieten, der Verschmutzung von Flüssen und Grundwasser, dem Verlust der Biodiversität, der Zunahme von außergewöhnlichen Naturereignissen und der Abholzung in tropischen Gebieten. Wie könnte man das wachsende Phänomen der sogenannten ,Umweltflüchtlinge’ übergehen: Menschen, die aufgrund der Umweltschäden ihre Wohngebiete – oft auch ihr Hab und Gut – verlassen müssen und danach den Gefahren und der ungewissen Zukunft einer zwangsmäßigen Umsiedlung ausgesetzt sind? Wie könnte man untätig bleiben angesichts der schon bestehenden und der drohenden Konflikte um den Zugang zu den natürlichen Ressourcen?“ Benedikt ging auch mit den politischen Verantwortlichen ins Gericht. Beim Neujahrsempfang 2010 für das beim Vatikan akkreditierte Diplomatische Corps drückte Benedikt seine „große Sorge“ über die „politischen und wirtschaftlichen Widerstände gegenüber dem Kampf gegen die Umweltverschmutzung“ aus, wie sie beim Klimagipfel in Kopenhagen (2009) zutage getreten waren. Mit dem Klimawandel stehe das Schicksal ganzer Länder auf dem Spiel, betonte der Papst, insbesondere der kleinen Inselstaaten. Benedikt rief die internationale Gemeinschaft mit deutlichen Worten zum Handeln auf.

Katholische Bischöfe aus der ganzen Welt haben 2018 eine „ehrgeizige Umsetzung“ des Pariser Klimaabkommens von 2015 angemahnt. Einen entsprechenden Appell unterzeichneten fünf Vorsitzende kontinentaler Vereinigungen von Bischofskonferenzen. Die Weltklimakonferenz dieses Jahres im polnischen Kattowitz müsse ein „Meilenstein“ bei der Verwirklichung der Pariser Klimaziele werden, hieß es in der Erklärung.

Und die deutschen Bischöfe haben im April 2019 „Zehn Thesen zum Klimaschutz“ nachgelegt. Der Expertentext wurde von der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen erarbeitet und vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedet. Ausgehend von einer Darstellung der Notwendigkeit des Klimaschutzes auch aus sozialethischer Perspektive werden auf Grundlage von ökonomischen, natur- und rechtswissenschaftlichen Überlegungen Empfehlungen mit konkreten Umsetzungsschritten zum Klimaschutz dargelegt. Und damit zugleich den Druck auf die Entscheider in der Politik erhöht. Der Vorsitzende der federführenden DBK-Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, schreibt im Vorwort des Thesenpapiers: „Die Zeit, in der die Menschheit dem gefährlichen Klimawandel noch Einhalt gebieten kann, neigt sich dem Ende zu“.

Union und SPD haben jetzt Zeit, Maßnahmen zum „Einhalt gebieten“ anzustoßen. Bis Freitag.

(Josef Bordat)