Der Heilige Januarius

Januarius wurde während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian am 19. September 305 enthauptet. Der Heilige Januarius ist nicht nur Stadtpatron Neapels, er ist die Identifikationsfigur für die Neapolitianer. San Gennaro, wie er in Italien heißt, wird heiß und innig geliebt. Exponent der Verehrung ist das „Blutwunder von Neapel“, die Verflüssigung seines Blutes, die sich zu bestimmten Terminen ereignet – am Samstag vor dem 1. Mai, am 19. September, dem Festtag des Heiligen, und am 16. Dezember. Es ist erstmals für das Jahr 1389 belegt. Doch was ist dran am „Blutwunder“?

Skeptiker vermuten, dass es sich bei dem Ampulleninhalt um eine thixotrope Substanz handelt, der zur Farbgebung lediglich etwas Blut beigemischt wurde. Solche Stoffe sind im Ruhezustand gelartig und erscheinen damit fest, können sich aber durch Schütteln verflüssigen. Das habe man auch schon im Spätmittelalter gewusst. Die ruckartigen Bewegungen der Träger während der Prozession sowie das Drehen der Ampulle durch den Zelebranten löse die Verflüssigung aus. Im Labor ließe sich das zeigen. Also: „Chem-Trick“ statt „Wunder“?

Für die katholischen Neapolitianer steht indes fest: Es ist das Blut des Heiligen, das sich verflüssigt. Und wehe, wenn das mal nicht „funktioniert“! Ein Ausbleiben des „Blutwunders“ wird als schlechtes Omen für die Stadt gedeutet – möglicherweise erwacht dann der seit 1944 schlafende Vesuv. Als das „Blutwunder“ 1980 ausblieb, brachten die Neapolitaner das Erdbeben in der Irpinia damit in Verbindung, mit fast 3000 Toten die verheerendste Naturkatastrophe der italienischen Nachkriegsgeschichte. Geologen mögen sich die Haare raufen, für den Glauben an das „Blutwunder von Neapel“ ergibt sich damit ein neuer Grund.

Ganz weltlich und konkret ist dann das Ausmaß der Verehrung, das in der Schatzkammer des Doms von Neapel bestaunt werden kann. Stolz zeigt die süditalienische Stadt den wertvollen Schmuck für die Silberbüste, in der die Ampulle mit der wundersamen Flüssigkeit aufbewahrt wird. Etwa ein Edelstein-Collar, für dessen Anfertigung viele Bürger Neapels spendeten.

Collar für die Silberbüste des Heiligen Januarius. Foto: JoBo, 11-2018.

Eine mit Gemmen übersäte Mitra kann man dort ebenfalls sehen.

Mitra für den Heiligen Januarius. Foto: JoBo, 11-2018.

Unermessliche Pracht in einer Stadt, die in ihrer Geschichte (und Gegenwart) nicht gerade durch überbordenden Reichtum gekennzeichnet ist. Doch wie gesagt: Der Heilige Januarius bedeutet den Neapolitianern sehr viel.

(Josef Bordat)