Neuentdeckung eines alten Brauchs

Kaum eine Kirchengemeinde – katholisch oder evangelisch – verzichtet darauf. Das Krippenspiel am Nachmittag des Heiligen Abends gehört zum guten Ton christlicher Pastoral. Die Mitwirkenden sind zumeist Kinder – die Zuschauer auch.

Dabei ist der Ablauf zumeist allzu vorhersehbar, denn die Geschichte, die nach dem Lukasevangelium erzählt wird, gehört wohl zu den bekanntesten überhaupt: Jesu Geburt im Stall zu Bethlehem, die von der Bibel erwähnten Umstände inklusive – Volkszählung und Herbergssuche, Engel und Hirten, Verehrung der Weisen aus dem Osten.

Gibt es da noch etwas Neues zu entdecken? Ja, gibt es. Ein echter Fund ist in diesem Zusammenhang das „Krippenspiel“ von Rudolph Borchardt. Gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal verkehrte Rudolph Borchardt vor hundert Jahren in einem Künstlerkreis, dessen Zentrum das Schlosses Neubeuern im Inntal war. Das Stück „Krippenspiel“ schrieb er binnen einer Nacht nieder.

Es zeigt uns in Paarreimen eine selbstbewusste Maria, einen demütigen Josef und vorausschauende Hirten. Dass Rudolf Borchardts 1922 uraufgeführtes „Krippenspiel“ uns heute wieder zugänglich ist, herausgegeben und erläutert von der Literaturwissenschaftlerin Gunilla Eschenbach, das ist eine gute Nachricht. Und zugleich eine Anregung, einmal ein etwas anderes Krippenspiel zu wagen.

Bibliographische Angaben:

Rudolf Borchardt: Krippenspiel.
München: Claudius-Verlag (2019).
60 Seiten, 10 €.
ISBN-13: 978-3-532-62837-9.

(Josef Bordat)