Kreuz, Körper, Klima

Uwe Wolff plädiert für eine Neubetrachtung des christlichen Symbols.

Das Kreuz verschwindet aus der Öffentlichkeit. Gesellschaftliche Veränderungen, politischer Wille, Gerichtsbeschlüsse – das Kreuz wird immer weiter marginalisiert. Es soll nicht mehr sichtbar sein, keinen Anstoß mehr erregen. Es darf nicht mehr aufregen, wer nicht an den Gekreuzigten glaubt, es kann die Gläubigen kaum noch anregen. Das Kreuz scheint seine Kraft verloren zu haben.

Gegen diesen gegenwärtigen Trend schreibt Uwe Wolff sein Buch „Das verleugnete Kreuz“ (erschienen im Claudius-Verlag). Der promovierte Theologe und Kulturwissenschaftler erinnert darin an die universelle Bedeutung des Kreuzes, dadurch, dass er das christliche Symbol in aktuelle Zusammenhänge einbringt und so neu kontextualisiert. Er will damit „Anstöße für eine überfällige Debatte“ liefern, indem er auf das „Wesen des Kreuzes“ deutet: „seine Widerständigkeit“.

Neben theologischer und kulturwissenschaftlicher Expertise ist es vor allem die persönliche Erfahrung des Verfassers, die den Text prägt. Manche Deutung erscheint dabei allzu subjektiv, manche Assoziation und Kontextualisierung (etwa in Bezug auf den menschlichen Körper oder die aktuelle Debatte über den Klimawandel) zunächst auch sehr weit hergeholt („Kreuz der Meinungen“). Doch auf den zweiten Blick zeigt sich: Es ist auch in den etwas abwegigeren Entdeckungen des Kreuzes immer noch genug von dessen Aussage enthalten: Gegensätzlichkeit (Leid und Heil), Begegnung (Gott und Mensch, Himmel und Erde), Sinngehalt (Erlösung).

Wolff legt die immer wieder neu erfahrbare Semantik des Kreuzes in vielfältiger Weise offen, erzählerisch ansprechend und gerade auch für den christlichen Blick auf das ureigene Glaubenssymbol durchaus erhellend. Bedeutsam vor allem, dass Uwe Wolff in seinen Betrachtungen die Brisanz des Kreuzes nicht verhehlt, es in seiner Dramatik nicht verharmlost. Insofern das Buch dazu beiträgt, die Rückbesinnung auf das Kreuz als ein solch anstößiges und verstörendes Symbol zu motivieren, es in seiner ganzen Aussagekraft verfügbar zu halten (oder wieder zu machen), hat es fraglos seinen kulturhistorischen Wert; zu wichtig ist das Kreuzzeichen – für den Glauben, für den Alltag, für das Leben.

Bibliographische Angaben:

Uwe Wolff: Das verleugnete Kreuz. Anstöße für eine überfällige Debatte.
München: Claudius-Verlag (2019).
160 Seiten, 18 €.
ISBN-13: 978-3-532-62846-1.

(Josef Bordat)