30 Jahre Mauerfall

Hinter Deutschland liegt eine Generation Lebens und Arbeitens in Freiheit und Einheit. Die nächste Generation entscheidet, ob es dabei bleibt.

Berlin, Lichterfelde-Süd. Dort, wo einst die Mauer Ost und West trennte, wachsen nun Kirschbäume. Gepflanzt wurden sie in den 1990ern von in Berlin lebenden Japanern – aus Dankbarkeit für die Deutsche Einheit. Mittlerweile sind die Bäume zu einer prächtigen Allee herangewachsen, die zur Blütezeit zahlreiche Besucher anzieht.

Dass in den vergangenen 30 Jahren miteinander nicht immer gut Kirchen essen war, ist allen in Ost und West klar. Die Unterschiede, die geblieben sind und sich zum Teil sogar vergrößerten, zeigen sich nicht nur im Wahlergebnis. Doch auch da: Wenn, wie zuletzt in Thüringen, von denen, die zur Wahl gehen, die Hälfte für extreme linke oder extreme rechte Positionen optiert, dann steckt dahinter ein anderes Konzept von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die für die allermeisten Menschen im Westen alternativlose Auffassung, die vor 30 Jahren friedlich erzwungene Demokratie sei die beste aller schlechten Staatsformen, wird offenbar nicht mehr von einer deutlichen Mehrheit der Menschen im Osten vertreten. Anders lassen sich die ostdeutschen Wahlergebnisse des Jubiläumsjahres der Weimarer Verfassung (100 Jahre), des Grundgesetzes (70 Jahre) und des Mauerfalls (30 Jahre) nicht erklären.

Das Jahrhundert des Ringens um Rechtsstaatlichkeit, um gleiche Chancen für alle, um gute Lebensbedingungen für möglichst viele – mit zahlreichen dramatischen Rückschlägen, deren Spuren zum 9. November 1989 führten – sollte eigentlich genug Lehr- und Anschauungsmaterial bereithalten, um auf dem Weg in die gemeinsame Zukunft nicht erneut zu straucheln. Der Anfang ist gemacht: Hinter Deutschland liegt eine Generation Lebens und Arbeitens in Freiheit und Einheit. Die nächste Generation hat es in der Hand, dafür zu sorgen, dass es dabei bleibt.

(Josef Bordat)