Robert Enke

Zum zehnten Todestag des Fußballnationaltorwarts

In „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ schildert Literaturnobelpreisträger Peter Handke das Schicksal des aus seinen Lebensbezügen herausgerissenen Fußballtorwarts Josef Bloch. Handke bedient sich der Torwartallegorik, um dem rastlos umherreisenden Protagonisten die Erkenntnis zu ermöglichen, dass nicht in der Bewegung, sondern in der Ruhe die Kraft liegt: Der Torwart, der stehen bleibt, fängt den Ball.

Fußballtorwart Robert Enke hat sich bewegt, hat sich bewegen lassen, war beunruhigt, hatte Depressionen, litt unter Versagensängsten. Und hat davon geschwiegen. Der Öffentlichkeit wurde das Seelenleben Enkes erst durch seinen Suizid heute vor zehn Jahren bekannt. Größer als die Angst vor dem Versagen war nur die Angst, dass jemand sie bemerken könnte. Als Nationalspieler in einer WM-Saison ist man eben nicht depressiv und ängstlich.

Depression. Die Krankheit trifft viele. Warum sollte sie nicht auch Fußballer treffen? Versagensangst. Auch sie trifft viele. Beileibe nicht nur Berufsfußballer. Jeder von uns muss sich die Frage stellen, welchen Stellenwert Erfolg und Anerkennung haben und wodurch letztere erfahren wird. Welche Rolle spielt der Beruf, welche Rolle spielen Familie und Freunde? Was hält einen noch, wenn man den Job verliert? Fragen zwischen Haben und Sein. Robert Enke mahnt unsere Leistungsgesellschaft.

(Josef Bordat)