Christentum steht im Weg: Kirchen als Anschlagsziele

Was haben die freikirchliche „Tübinger Offensive Stadtmission“, die evangelische Thomaskirche in Leipzig und die katholische St. Elisabeth-Kirche in Berlin gemeinsam? Richtig: Sie wurden in den letzten zwei Wochen zum Ziel von Anschlägen. Und: Jedesmal folgte ein Bekennerschreiben auf der linksextremistischen Plattform „de.indymedia.org“.

Beim Brandanschlag auf die freikirchliche „Tübinger Offensive Stadtmission“, die sich unter anderem um Drogenabhängige und Straßenkinder kümmert und sich für die Versöhnung zwischen Überlebenden der Schoah und den Nachkommen der Täter einsetzt wurde am 27. Dezember 2019 ein Gemeindebus attackiert. Er brannte aus, ein Schaden von 40.000 Euro.

In der Silvesternacht wurden bei einem Anschlag auf die Leipziger Thomaskirche, in der einst Johann Sebastian Bach wirkte, 25 Scheiben zerstört, darunter unwiderbringliche Buntglasfenster über dem Mendelssohn-Portal sowie sämtliche Jugendstil-Fenster auf der Gartenseite. Der Schaden konnte noch nicht beziffert werden.

Auf die denkmalgeschützte katholische St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Schöneberg, Heimat der slowenischen Mission, ist in der Nacht vom 8. zum 9. Januar ein Farbanschlag verübt worden. Der Polizei zufolge beschmierten bislang unbekannte Täter das Gebäude mit mehreren Schriftzügen in schwarzer und weißer Farbe. Der Schaden konnte noch nicht beziffert werden.

Drei Anschläge in zwei Wochen – immer nachts, immer feige, immer gefolgt von einem Bekennerschreiben auf der linksextremistischen Plattform „de.indymedia.org“. Diese sind verblüffend gleichförmig in Diktion und Aussage, gespickt mit hanebüchenen Gedankengängen, die tatsächlich als Argumente einer moralischen Rechtfertigung von Gewalttaten gegen Gebrauchs- und Kulturgüter dienen sollen. Eine Melange aus Dummheit und Selbstgerechtigkeit wird als Grundlage einer Moral missverstanden. Sie offenbart die höchste Form von Intoleranz: „Was mir nicht passt, hat kein Existenzrecht!“ – ein Denken, das im äußersten Fall die physische Vernichtung billigt, ein Denken, aus dem Völkermorde entstehen, ein faschistoides Denken. Es geht also um weit mehr als um ärgerliche Sachschäden: Es geht um Kulturverlust in unfassbarem Ausmaß, um eine dumm-dreiste Karrikatur kritischen Bewusstseins, die absolutistischer nicht vorgetragen werden könnte. Dass sich diese Haltung explizit gegen Werte des Christentums (wie den Gedanken des unbedingten Lebensrechts jedes Menschen) und – konfessionsübergreifend – christliche Einrichtungen wendet, ist fast schon wieder tröstlich.

(Josef Bordat)