Wannseekonferenz

Heute vor 78 Jahren fand die Wannseekonferenz statt. Auf dieser Tagung beschlossen deutsche Politiker und Beamte die „Endlösung der Judenfrage“ – die Vernichtung des jüdischen Volkes mit modernsten Methoden. Technisiert, automatisiert. Die grausame Konsequenz kennen wir: ein Völkermord, der als Holocaust oder Schoah in die Geschichte einging.

Das, was auf der Wannseekonferenz beschlossen wurde, ist nicht nur schwer in Worte zu fassen, sondern auch schwer mit einem Wort treffend zu bezeichnen. „Holocaust“ bedeutet „Brandopfer“ und verschleiert damit den Charakter der Vernichtung. Ich halte den Begriff „Schoah“ („Unheil“) für passender, auch wenn damit eine Schicksalhaftigkeit angedeutet wird, die gerade nicht zur Planmäßigkeit des Völkermords an den europäischen Juden passt.

Die Frage ist jedoch vielmehr, wie es zu diesem Völkermord kommen konnte. Kam die Idee dazu aus dem „Nichts“? Ist sie eine „Singularität der Geschichte“? Ein „Rückfall ins Mittelalter“? Oder eine quasi-logische Konsequenz aus dem „Projekt Moderne“? Und damit ein Vorgang, der sich immer und überall wiederholen kann? In jedem Fall: Ein Grund zum Nachdenken.

(Josef Bordat)