Empathiemangel: „Generation Rücksichtslos“ auf dem Vormarsch

Eine Studie der Bepanthen-Kinderförderung und der Universität Bielefeld bringt Alarmierendes ans Licht: Jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche zeigen kaum Mitgefühl für andere, haben keinen Gemeinschaftssinn. Die Forscher sprechen von einer „Generation Rücksichtslos“.

Das Ergebnis zeigt, dass die heutigen Heranwachsenden im Alter von 6 bis 16 Jahren zwar zu einem großen Teil über einen positiven Sinn für das menschliche Miteinander verfügen, dabei allerdings 22 Prozent der befragten Kinder bedenkliche Defizite zeigen. Bei den Jugendlichen fällt sogar ein Drittel (33 Prozent) durch unterdurchschnittlich entwickelten Gemeinschaftssinn auf.

Generell sind Mädchen empathischer als Jungen. Im Laufe der Entwicklung vergrößert sich der Unterschied immer weiter. Über das gesamte Untersuchungsalter von 6 bis 16 Jahren zeigen sich in der Tendenz bei den Mädchen stetig steigende, bei den Jungen stetig sinkende Empathiewerte.

Woran liegt das? Die Forscher machen das soziale Umfeld verantwortlich. Die Hälfte der Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status neigt deutlich stärker dazu, Randgruppen und Minderheiten abzuwerten, als ihre Altersgenossen aus besser gestellten Haushalten (16 Prozent).

Doch nicht nur das Einkommen, auch das Vorbild der Eltern entscheidet: Eine dem Gemeinschaftssinn abgewandte Einstellung der Eltern hat auf Gleichgültigkeit und abwertendes Verhalten der Kinder und Jugendlichen einen signifikanten Einfluss.

Studienleiter Holger Ziegler sieht eine Problemlage mit langfristigen Auswirkungen: „Die Daten deuten darauf hin, dass wir hier kein Randgruppenphänomen, sondern potenziell einen Flächenbrand sehen. Die gezeigte Entsolidarisierung führt im Ergebnis zu einer gesellschaftlichen Degenerationsspirale. Das Prinzip der Solidargemeinschaft als Grundlage für eine gelingende Gesellschaft läuft Gefahr zu kippen.“

(Josef Bordat)