Hanau und die AfD

Weil sowas von sowas kommt. (99 Luftballons, Nena)

Es wird momentan viel über den Zusammenhang von rechtextremer Hetze – auch seitens der AfD – und dem Anschlag von Hanau diskutiert. Die AfD weist die Anschuldigungen, sie bereite rassistisch motivierten Terrorakten ideologisch den Nährboden, weit von sich und verweist auf die psychische Verfassung des mutmaßlichen Täters Tobias R. Der sei eben „irre“, die Tat habe nichts mit der von der AfD vertretenen politischen Position zu tun.

Ich finde in diesem Zusammenhang einen Umstand recht interessant: Am Tag des Anschlags von Hanau (und zwar einige Stunden davor) berichtet die arabische Medienanstalt Al-Jazeera, dass die AfD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen ein Malbuch für Kinder herausgegeben habe, in dem zahlreiche rassistische und xenophobe Motive zum Ausmalen angeboten werden, unter anderem eine Seite mit offenbar türkischen und arabischen Personen, die alle eine Waffe gezückt halten und dabei fröhlich tanzen.

Die AfD hat sich von dem Malbuch, das bei einer Veranstaltung in Krefeld auftauchte, zwischenzeitlich distanziert. Offenbar war jedoch irgendwann irgendjemand in der AfD auf den Gedanken gekommen, es läge in irgendeiner Weise im Rahmen zivilisatorischen Tuns, Kinder die Konturen von ausnahmlos als Gewalttäter dargestellten Menschen türkisch-arabischer Herkunft ausmalen zu lassen. Allein dieser Gedanke ist bestens geeignet, die Glaubwürdigkeit der alles von sich weisenden AfD in Zweifel zu ziehen. Zum Anschlagsmotiv des Tobias R. – rassistisch motivierter Hass auf Menschen türkisch-arabischer Herkunft – passt der AfDler-Gedanke hingegen auffällig gut.

(Josef Bordat)