Hanau

Wenn Menschen aus dem Ausland mich fragen, was denn eigentlich los sei in Deutschland, kann ich nur noch sagen: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum hierzulande immer mehr Menschen Verschwörungstheorien anhängen, Rechtsextremisten wählen, sich einen Bürgerkrieg wünschen, Gewalt gegen die verüben, die hinsichtlich irgendeiner Eigenschaft anders sind. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es uns einfach zu lange viel zu gut gegangen.

Die Nachricht aus Hanau, wo ein Mensch offensichtlich in zwei Shisha-Bars insgesamt neun Personen erschoss, nach Hause fuhr, seine Mutter und sich selbst tötete, macht mich fassungslos. Nach derzeitigem Stand liegt ein fremdenfeindliches Motiv vor. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen, weil von einer „terroristischen Gewalttat“ auszugehen ist. Der mutmaßliche Täter hatte sich ausländerfeindlich und rassistisch geäußert. Zuvor soll er Verschwörungstheorien über Geheimorganisationen und Untergrund-Labore sowie rassistische Inhalte sich bis hin zu Genozid-Fantasien im Internet veröffentlicht haben.

Psychisch Kranker Einzeltäter? Überzeugter Rechtsextremist? Gewaltsamer Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung hin zur Akzeptanz von rechtsextremen Ansichten? Vielleicht ist es gerade die Mischung aus allem, die Terrorakte wie den von Hanau ermöglichen. Wenn ich mich so umschaue in den Sozialen Medien, dann steht uns diesbezüglich noch einiges bevor.

Den Opfern der Bluttat und ihren Hinterbliebenen mein Mitgefühl und meine Gebete.

(Josef Bordat)