Ein Monat Corona in Mexiko

Von Einzelfällen, die Ende Februar / Anfang März auftraten (ab 28. Februar, dem „arrival date“ des Virus), einmal abgesehen, begann die Epidemie mit zweistelligen täglichen Wachstumsraten hier in Mexiko am 6. März. Das ist mir deswegen von der gestrigen Corona-PK im Gedächtnis geblieben, weil das der Tag war, an dem wir in Mexiko ankamen. Cum hoc ergo propter hoc? Will ich nicht hoffen! Seitdem entwickeln sich die Zahlen rasant, wie man an der Graphik hier erkennen kann („COVID-19 cases in Mexico“). Die Zahl der bestätigt Infizierten stieg auf zuletzt (27.3.) 711 Personen. Leider sind auch schon zwölf Tote zu beklagen. Die Steigerungsrate bei den Neuinfektionen beträgt derzeit etwa 20 Prozent pro Tag.

Mexiko hat im Kontext der Corona-Pandemie einen Vorteil gegenüber Europa und den USA (Weltregionen, in denen etwa 85 Prozent der bestätigt Infizierten lebt) – und einen Nachteil: Der Vorteil besteht darin, dass die Bevölkerung jünger ist als in Europa und den USA und daher die Pandemie hier glimpflicher ablaufen könnte als in den alternden Populationen der „Westlichen Welt“, der Nachteil darin, dass die Personenzahl pro Haushalt höher ist. Der typische Haushalt in den Metropolen der „Westlichen Welt“ ist mittlerweile der Single-Haushalt – pandemisch ein Vorteil. In Mexiko leben oft noch Großfamilien zusammen – eigentlich schön, pandemisch aber ein Nachteil.

Die weitere Entwicklung in Mexiko ist ungewiss – wie sollte es auch anders sein. Bliebe es jedoch bei der 20-Prozent-Wachstumsrate und wäre diese ungebremst, würde das Land Ende März bereits etwa 1500 Infektionen verzeichnen, bis Ostern rund 13.000 Infektionen und bis Ende April ca. 350.000 Fälle bestätigter Corona-Infektion. Damit wären dann 2,7 Promille der mexikanischen Bevölkerung infiziert (zum Vergleich: in Deutschland sind es derzeit etwa 0,7 Promille). Diese Entwicklung ist unbedingt zu vermeiden – auch, wenn hier weniger alte Menschen betroffen wären. Daher zieht die mexikanische Regierung seit einigen Tagen die Zügel immer weiter an – jedoch alles immer noch auf der Ebene von Empfehlungen. Normative Vorgaben (oder gar Kontrollen) fehlen momentan noch. Bereits die nächsten Tage werden zeigen, ob das reicht.

(Josef Bordat)