Jesus Christus – Gottes Sohn, in Einheit mit dem Vater

Um diese Zeit fand in Jerusalem das Tempelweihfest statt. Es war Winter und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange hältst du uns noch hin? Wenn du der Christus bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10, 22-30)

Der irische Musiker Paul David Hewson (bekannt – unter seinem Künstlernamen Bono – als Sänger der Rockband U2) soll einmal gesagt haben, Jesus sei entweder verrückt gewesen, oder aber Jesus sei wirklich der Sohn Gottes. Im christlichen Glauben folgen wir der zweiten Möglichkeit: Jesus ist Gottes Sohn. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er den Weg zu Gott bereitet. Jesus ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6), was bedeutet: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14, 6). Das ist entweder eine unverschämte Selbstüberhebung (so sahen es viele seiner Zeitgenossen) oder einfach nur logisch. Denn wer sonst sollte zum Vater führen, wenn nicht der Sohn?

Jesus geht im heutigen Tagesevangelium – anschließend an das Bild des guten Hirten (Joh 10, 1-21) – noch einen Schritt weiter, indem er die Einheit von Vater und Sohn bezeugt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10, 30). Es lassen sich auch andere Stellen finden, in denen diese Einheit betont wird (etwa Joh 14, 9: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“), ebenso wie Stellen gefunden werden können, in denen Jesus auf den Vater hinweist und sich dabei selbst zurücknimmt (etwa Joh 14, 28: „denn der Vater ist größer als ich“). Die Verbindung von Vater und Sohn durch den Heiligen Geist als von Liebe gestiftete Beziehung zweier göttlicher Personen, die eines Wesens sind, das ist sicher eines der größten Geheimnisse des christlichen Glaubens.

Es fällt auf, dass an ganz zentralen Stellen, in wichtigen, ja, entscheidenden Situationen in Jesu irdischem Leben von ihm als „Sohn Gottes“ gesprochen wird: im Moment der Taufe und im Augenblick des Todes. Das Bekenntnis der Sohnschaft Jesu kommt dabei aus zwei Quellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: bei der Taufe ist es Gott selbst, der Vater, der als „eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Lk 3, 22), in der Todesstunde sind es Heiden, römische Soldaten, also Menschen, die mit Gott nichts am Hut haben: „Als der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, das Erdbeben bemerkten und sahen, was geschah, erschraken sie sehr und sagten: Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ (Mt 27, 54). Gott und Welt bekennen im Evangelium die Sohnschaft Jesu.

Jesus nicht für verrückt zu erklären, sondern an ihn als Sohn Gottes zu glauben, ist eine Lebensentscheidung. Mit der Positionierung gibt man Antwort auf die Frage: Ist es wahr, dass Jesus Gott ist? In der heutigen Perikope (und auch an anderen Stellen des Johannesevangeliums) bekommen wir eine eindeutige Antwort: Ja! Dieses Ja bildet die Basis des Christentums, dieses Ja ist das grundlegende Bekenntnis des christlichen Glaubens.

(Josef Bordat)