Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 5

…es war ein Katholik, der das heliozentrische Weltbild etablierte.

Der promovierte Kirchenrechtler Nikolaus Kopernikus war ein frommer Katholik und in der Kirche hoch angesehen. Kopernikus‘ Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium (1543), in welchem er das heliozentrische Weltbild als Hypothese vorstellte, war Papst Paul III. gewidmet und bildete die Grundlage für die Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. (1582). Erst als Galileo Galilei aus der fast achtzig Jahre alten und von der Kirche als solche akzeptierten Theorie eine Tatsache machen wollte, schritt Rom ein. Kopernikus hingegen blieb zeitlebens im Dienst der Kirche.

Es ging also weniger um Inhalte, sondern vielmehr um die Methode. Der Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei markiert somit nicht die vermeintliche Bruchstelle zwischen Kirche und Wissenschaft, als die er so oft und gern herbeizitiert wird, sondern verdeutlicht vor allem die Differenz von Theorie und Tatsache, ein Unterschied, auf den die Kirche (insbesondere deren Verfahrensbevollmächtigter Robert Kardinal Bellarmin) im Gegensatz zum Angeklagten Galilei größten Wert legte, eine Haltung, die auch von der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie eingefordert wird.

Ob Karl Popper, Paul Feyerabend, Ludwik Fleck, Thomas S. Kuhn oder Carl Friedrich von Weizsäcker – sie alle billigen der Kirche des 17. Jahrhunderts ausdrücklich oder implizit zu, erkannt und vertreten zu haben, was der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts selbstverständlich werden sollte: Eine Theorie ist keine Tatsache.

(Josef Bordat)