Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 6

…es war ein katholischer Ordensmann, der die Grundlagen der Genetik fand.

Gregor Mendel forschte gewissermaßen nebenbei – und hat doch einen großen Beitrag zum Wissensbestand der Moderne geleistet. Der Augustinermönch gilt als „Vater der Genetik“. Im Klostergarten der Brünner Abtei St. Thomas experimentierte er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Erbsen und Habichtskraut und fand bei seinen Kreuzungsversuchen die nach ihm benannten Mendelschen Regeln der Vererbung. Man kommt in der Schule an vielen Dingen vorbei, daran aber nicht.

Trotz seiner bahnbrechenden Entdeckung war Mendel freilich in erster Linie ein Mann des Glaubens. In einer deutschsprachigen Predigt verwob er seine wissenschaftliche Forschungsarbeit mit Deutungen der Heiligen Schrift: „Jesus erschien den Jüngern nach der Auferstehung in verschiedener Gestalt. Der Maria Magdalena erschien er so, dass sie ihn für einen Gärtner halten mochte. Sehr sinnreich sind diese Erscheinungen Jesu und unser Verstand vermag sie schwer zu durchdringen. (Er erscheint) als Gärtner. Dieser pflanzt den Samen in den zubereiteten Boden. Das Erdreich muss physikalisch-chemisch Einwirkung ausüben, damit der Same aufgeht. Doch reicht das nicht hin, es muss noch Sonnenwärme und Licht hinzukommen nebst Regen, damit das Gedeihen zustandekommt. Das übernatürliche Leben in seinem Keim, der heiligmachenden Gnade, wird in die von der Sünde gereinigte, also vorbereitete Seele des Menschen hineingesenkt und es muss der Mensch durch seine guten Werke dieses Leben zu erhalten suchen. Es muss noch die übernatürliche Nahrung dazukommen, der Leib des Herrn, der das Leben weiter erhält, entwickelt und zur Vollendung bringt. So muss Natur und Übernatur sich vereinigen, um das Zustandekommen der Heiligkeit des Menschen. Der Mensch muss sein Scherflein Arbeit hinzugeben, und Gott gibt das Gedeihen. Es ist wahr, den Samen, das Talent, die Gnade gibt der liebe Gott, und der Mensch hat bloß die Arbeit, den Samen aufzunehmen, das Geld zu Wechslern zu tragen. Damit wir ‚das Leben haben und im Überflusse haben‘ (Joh 10, 10). Drei Sakramente, die das Leben spenden: Taufe, Beichte, Kommunion [sind] zur Osterzeit eingesetzt worden.“

(Josef Bordat)