Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 7

…es war ein Katholik, der die Urknall-Theorie aufstellte.

Ausgerechnet ein belgischer Priester hat als Professor für Physik an der Universität Löwen die „Big Bang“-Theorie entwickelt: Georges Lemaître. Lemaître stellte seine Idee 1931 auf einem Kongress in London vor. Er beschrieb dort seine Vorstellung eines Uratoms, „ein kosmisches Ei, das im Moment der Entstehung des Universums explodierte“. Lemaîtres Urknall-Theorie wurde zunächst abgelehnt (Kritik übte unter anderen auch ein gewisser Albert Einstein), weil sie zu sehr an die religiöse Vorstellung einer Erschaffung der Welt angelehnt war.

1951 akzeptierte die Päpstliche Akademie der Wissenschaften als eine der ersten Forschungseinrichtungen Lemaîtres Theorie. Papst Pius XII. führte dazu aus, der mit dem Urknall zeitlich festlegbare Anfang der Welt sei dem göttlichen Schöpfungsakt entsprungen – kein Widerspruch also zum christlichen Schöpfungsglauben. Kurz vor seinem Tod (1966) erfuhr Lemaître noch von der Entdeckung der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung, die seine Theorie erhärtete. Weitere Forschungsarbeiten (unter anderem von Stephen Hawking) sowie die Ergebnisse von Satellitenmessungen aus den letzten Jahrzehnten erhöhten die Plausibilität der „Big Bang“-Theorie immer mehr, die nicht den Urknall selbst beschreibt, sondern „nur“ die Zeit unmittelbar danach. Der große Knall selbst entzieht sich dem Methodenarsenal wissenschaftlicher Forschung.

Über den vermeintlichen Gegensatz von Wissenschaft und Glauben schrieb der Astrophysiker und Gottesmann, der von 1960 bis 1966 selbst Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften war: „Wenn Du einmal realisiert hast, dass die Bibel gar nicht vorgibt, ein wissenschaftliches Textbuch zu sein, dann verschwindet auch die alte Kontroverse zwischen Religion und Wissenschaft.“

(Josef Bordat)