Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 8

… es war ein Katholik, der die Theorie der Materiewellen entwickelte.

Louis-Victor Pierre Raymond de Broglie war ein frommer Katholik. Zugleich war er einer der wichtigsten Physiker des 20. Jahrhunderts. Er erhielt 1929 den Nobelpreis für die von ihm entwickelte Theorie der Materiewellen.

Der Welle-Teilchen-Dualismus, der vor de Broglie nur für Photonen bekannt war, ist seiner Meinung nach Merkmal nicht nur der Photonen, sondern auch der Materie. Auch einem klassischen Teilchen – etwa einem Elektron – werden somit Welleneigenschaften zugesprochen. Diese physikalische Forschungsleistung verbindet de Broglie mit dem philosophischen Gedanken, dass über die Wellenmechanik der Teilchen alle materiellen Vorgänge exakt berechenbar seien. So entstünde eine deterministisch erklärbare Welt.

Nach Diskussionen mit Fachkollegen aus dem Bereich der Quantenphysik wie Albert Einstein, Niels Bohr und Max Planck gab de Broglie den Determinismusgedanken zunächst zugunsten einer Wahrscheinlichkeitsinterpretation des Geschehens auf, um ihn Mitte des 20. Jahrhunderts mit David Bohm wieder zu rehabilitieren (De-Broglie-Bohm-Theorie der kausalen und konkreten Deutung der Wellenmechanik).

Wenn auch die konkrete Weltdeutung bei Louis de Broglie unstet ist, so ist sein Leben geprägt von der Sehnsucht, Gott zu erkennen. Zu forschen begreift er dabei als ein „Verlangen“ des Menschen: „Die Wissenschaft, egal ob sie nun als Suche nach der Wahrheit oder nur die Notwendigkeit bezeichnet, Herrschaft über die äußere Welt zu erlangen, Leiden zu lindern, oder das Leben zu verlängern, ist letztlich eine Frage des Gefühls, oder besser des Verlangens – des Verlangens nach Wissen, oder des Verlangens nach Erkenntnis“. Einen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben sieht er nicht: „Zwei scheinbar unvereinbare Konzeptionen können jeweils einen Aspekt der Wahrheit repräsentieren.“

(Josef Bordat)