Schweden – ein Vorbild?

Lockdown-Deutschland, Lockerland Schweden – ein (ganz kurzer) Blick auf die Zahlen.

Oft wird in den Debatten über Freiheitsrechte und deren zeitweilige Einschränkung, über Freiwilligkeit und Verbote, der deutsche (normativ verbindliche) Weg mit dem schwedischen Sonderweg verglichen, auf dem vieles der Entscheidung des Einzelnen überlassen wurde und kein Lockdown stattfand. Stattdessen: Alles ganz locker.

War das eine gute Entscheidung? Gemessen an den Zahlen: Nein. Schweden hatte Anfang dieser Woche 3256 Corona-Tote zu beklagen. Damit gab es bis dato in dem Locker-Land mehr als drei Mal so viele Todesfälle durch Covid-19 wie in den (strukturell vergleichbaren) Nachbarländern Dänemark (529), Finnland (271) und Norwegen (219) zusammen, wie die Süddeutsche Zeitung vorrechnet.

Mittlerweile sind über 27.000 Schweden nachweislich infiziert. In Deutschland sind es etwa 173.000 Menschen – bei allerdings acht Mal so großer Bevölkerung. Besonders die hohe Sterblichkeit fällt hier auf: Sie liegt in Schweden bei über zwölf Prozent. Auch hier ist Unterschied zu den Nachbarländern gravierend, zu Dänemark (fünf Prozent), Finnland (4 Prozent), Norwegen (drei Prozent).

Mir ist klar, dass das niemanden überzeugt, weil bereits die Zahlen angezweifelt werden. Stimmen diese? Sind es wirklich Corona-Tote? Wird die Statistik nicht in Excel-Tabellen geführt? Und war das nicht mal ein Microsoft-Produkt? Voilà – da ist er wieder.

Ganz im Ernst: Die sehr umsichtige und rechtzeitig auch etwas restriktivere Politik der deutschen Behörden war das Beste, was unserem Land passieren konnte. Machen wir es jetzt nicht kaputt – bleiben wir vorsichtig, auch, wenn das von uns immer noch (und auch noch lange) eine gewisse Selbstbeschränkung erfordert. Es geht wirklich nicht um vorauseilenden Gehorsam gegenüber einer Weltregierung, die uns versklaven will, sondern darum, der Freiheit vernünftige Grenzen zu setzen. Das schaffen wir!

(Josef Bordat)