Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 11

…es war ein Katholik, der Milch haltbar machte und Impfungen ermöglichte.

Louis Pasteur war ein französischer Chemiker, Physiker, Biochemiker und Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie, der entscheidende Beiträge zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten durch Impfung geleistet hat. Jedem bekannt ist er durch das nach ihm benannte Verfahren zur Haltbarmachung flüssiger Lebensmittel, die Pasteurisierung. Pasteur war katholisch und blieb es wohl auch, der englischsprachigen Wikipedia zufolge (Faith and spirituality); der deutschsprachigen Wikipedia ist seine Haltung zur Religion und sein persönlicher Glaube keine Silbe wert.

Über Louis Pasteur wird gerne und oft folgende Geschichte erzählt (ich fand sie u.a. hier): Im Jahr 1892 sitzt ein älterer Herr in einem Zug und liest in der Bibel. Neben ihm ist ein junger Student in eine wissenschaftliche Fachliteratur vertieft. Nach einiger Zeit fragt der junge Mann seinen Nachbarn: „Glauben Sie etwa noch an dieses alte Buch voller Fabeln und Märchen?“ „Ja, natürlich. Aber es ist kein Fabelbuch, sondern das Wort Gottes!“ Der Student ereifert sich: „Sie sollten sich einmal ein wenig mit unserer Geschichte beschäftigen. Zur Zeit der französischen Revolution vor knapp 100 Jahren wurde die Religion als Illusion entlarvt! Nur Leute ohne Kultur glauben noch, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat. Sie müssten mal hören, was die Wissenschaft zu diesem Schöpfungsmärchen sagt.“ „Nun“, erwidert der ältere Herr, „was sagen denn die heutigen Wissenschaftler dazu?“ „Da ich sogleich aussteigen muss, habe ich keine Zeit, Ihnen das ausführlich zu erklären. Aber geben Sie mir doch bitte Ihre Karte, damit ich Ihnen wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema senden kann.“ Der alte Herr öffnet darauf seine Brieftasche und gibt dem jungen Mann seine Karte. Als der sie liest, fühlt er sich kleiner als eine Ameise. Mit gesenktem Haupt verlässt er den Zug. Auf der Karte stand: Prof. Dr. Louis Pasteur, Generaldirektor des naturwissenschaftlichen Forschungsinstituts – Nationale Universität Frankreich.

Ich weiß nicht, ob sie wahr ist, diese Geschichte. Wenn nicht, dann ist sie zumindest gut erfunden. Den Katholiken unter den Impfgegnern sollte zu denken geben, dass es ein Glaubensbruder war, der einen Impfstoff aus abgeschwächten Krankheitserregern zum Schutz vor Geflügelcholera entwickelte und damit die Impfung – für die es in der Humanmedizin bis dahin nur das Beispiel der Pockenschutzimpfung gegeben hatte – zu einem allgemeinen Prinzip ausbaute. Weitere Impfstoffe gegen Milzbrand, Schweinerotlauf und Tollwut zeigten, dass man zumindest theoretisch fortan beliebigen Infektionskrankheiten vorbeugen konnte. Was für eine Entdeckung! Und wie aktuell.

(Josef Bordat)