Gerade heute

Heute vor 71 Jahren trat das Grundgesetz in Kraft. Darin stehen einige Freiheitrechte, die jedem Bürger zukommen. Zum Beispiel, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu äußern. Und das dieses Recht unabhängig vom Wahrheitswert des Gemeinten gilt. Das steht da so nicht, ergibt sich aber aus dem Recht, weil diesem keine Pflicht zur Information korrespondiert. Ich darf mich über Sachverhalte äußern, von denen ich nichts verstehe.

An manchen Tagen bin ich wütend auf all jene, die dieses weite Konzept der Meinungsfreiheit initiiert, durchgesetzt und bestätigt haben (und das waren in den letzten 71 Jahren einige). Dann wünschte ich mir, dass es auch für Meinungsäußerungen gewisse sachliche Hürden gibt. Dass man mindestens 120 Stunden Geschichtsunterricht nachweisen muss, bevor man als Meinungsäußerungen verkleidete Nazi-Vergleiche überhaupt nur anstellen darf.

Dem ist aber nicht so. Man darf heute, am Grundgesetztag (der auch ein Feiertag werden sollte – mindestens alle fünf Jahre), offenbar den verdienten Virologen Christian Drosten in die Nähe Josef Mengeles rücken, der als Lagerarzt im KZ Auschwitz furchtbare (und wissenschaftlich furchtbar sinnlose) Menschenversuche durchführen ließ. Man darf sich heute, mitten in Berlin, einen an den „Judenstern“ erinnerndes Abzeichen mit der Aufschrift „ungeimpft“ ans Revers heften, um sich als Opfer eines angeblichen „Corona-Faschismus“ zu stilisieren.

Und die „Merkel-Diktatur“, die uns Tag und Nacht brutal unterjocht, schaut tatenlos zu. Sie weiß eben, welche Vorgaben das Grundgesetz macht. Das Grundgesetz gibt die Freiheit, auch größtmögliche Dummheiten zu begehen. Doch das Recht, seine Meinung frei äußern zu dürfen, beinhaltet nicht das Recht, die Würde des Menschen zu verletzen. Es beinhaltet auch nicht das Recht, von Kritik und Widerspruch verschont zu bleiben. Denn das Recht, seine Meinung frei äußern zu dürfen, beinhaltet, dass auch andere dieses Recht haben und davon Gebrauch machen. Und das sollten jetzt möglichst viele tun, damit dieser unfassbare Irrsinn sich nicht weiter ausbreitet.

(Josef Bordat)