„Es müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen“

Zentralrat der Armenier in Deutschland warnt vor neuer Christenverfolgung in der Türkei

Gibt es Probleme, so braucht man Schuldige – tatsächliche oder vermeintliche. Letztere nennt man auch Sündenböcke. Als solche fühlen sich Armenier in der Türkei nach einem rassistisch begründeten Brandanschlag auf eine armenische Kirche in Istanbul. Der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) befürchtet, dass die nichtmuslimischen Gemeinschaften in der Türkei sich auf neue Verfolgungen einstellen müssen. Hetze gegen religiöse Minderheiten wie sie die regierungsnahe Zeitschrift Gercek Hayat (Echtes Leben) betreibt, verstärkt die Angst unter den Armeniern.

Der ZAD-Vorsitzende Schawarsch Owassapian beschreibt die Befindlichkeit der Armenier: „Wir leben mit der hundertjährigen Erfahrung, Opfer eines Völkermords durch die Türkei geworden zu sein. Wenn wir jetzt ebendort wieder so massive rassistische Propagandaaktionen erleben, müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen“. Owassapian weist darauf hin, dass Gercek Hayat in der Mediengruppe von Präsident Ergogans Schwiegersohn Berat Albayrat erscheint, also im direkten persönlichen Umfeld der politischen Führungselite der Türkei. Hintergrund der zunehmenden rassistischen Hetze dürfte die Wirtschaftskrise im Land sein, die durch Corona noch einmal deutlich verschärft worden ist.

Der Attentäter, der am 8. Mai den Brandanschlag auf die christlich-armenische Kirche verübt hat, begründete seine Tat damit, dass er meine, von den Armeniern sei das Corona-Virus in die Türkei gekommen. „Alles passt zusammen. Offenbar gibt es einen Plan. Die Todesdrohungen, die unbekannte Täter an mehrere Kirchen geschmiert haben, sind kein Zufall. Präsident Erdogan muss dem Spuk sofort und energisch Einhalt gebieten“, wird Owassapian in der Pressemitteilung des ZAD zitiert.

(Josef Bordat)