Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 14

…aber ein (kritischer) Katholik ist Begründer der algebraischen Topologie.

Henri Poincaré war um die vorletzte Jahrhundertwende einer der herausragenden Köpfe der Mathematik. Er gilt als Begründer der algebraischen Topologie. Bekannt geworden ist er über die Mathematik hinaus durch die nach ihm benannte Vermutung, dass jedes geometrische Objekt, solange es kein Loch hat, zu einer Kugel geformt werden kann. Das zu beweisen, galt als eines der Millennium-Probleme. Gelöst hat es 2002 der russische Mathematiker Grigori Jakowlewitsch Perelman.

In der deutschen Wikipedia findet sich lediglich der Hinweis „Die Familie Poincaré war katholisch“, die englische Version schweigt sich zu seiner Religiosität ganz aus, die spanische Fassung schreibt, er sei katholisch gewesen, allerdings nur bis 1872 und die französische beschreibt den Sachverhalt am ausführlichsten. Demnach sei Henri Poincaré in seiner Jugend ein frommer Katholik gewesen, der sich dann allerdings von der Kirche distanzierte, weil er diese als zu machtorientiert und anti-intellektuell empfand (was sie im 19. Jahrhundert tendenziell sicherlich auch war, vgl. etwa die Polemik gegen die damals neuen Freiheitsrechte).

Henri Poincaré gibt damit – Ironie des Schicksals – der Kirche heute etwas mit auf den Weg: nicht Macht anzustreben und offen zu sein für den wissenschaftliche Diskurs. Die meisten Katholiken schaffen das auch ganz gut – anderthalb Jahrhunderte später.

(Josef Bordat)