Drei Irrwege im Klimaschutz – Teil 3

Nicht alle Ideen zum Klimaschutz sind moralisch gut – zumindest aus Sicht der Kirche bzw. der katholischen Ethik. Ich möchte drei Irrwege nennen.

„CO2 einfach speichern!“

Was wir ebenfalls nicht (oder: noch nicht) beherrschen, das sind so manche Ansätze des Geoengineerings. CO2 einfach speichern? Ja, wenn das so einfach ginge! Die Speicherung von CO2 (CO2-Sequestrierung bzw. Carbon Dioxide Capture and Storage, CCS), also das technische Zurückhalten des Treibhausgases vor dessen Emissionen in die Atmosphäre durch Abspaltung am Kraftwerk und dauerhafte Einlagerung in unterirdische Lagerstätten, ist derzeit noch nicht möglich.

Ob eine solche Strategie überhaupt sinnvoll ist, wird bestritten – es gibt schließlich Gefahren: „Im Falle von Leckagen kann es zu schädlichen Wirkungen auf das Grundwasser und den Boden kommen“. Schon das Entweichen kleiner Mengen CO2 „kann nachweislich schwere Schäden bei Tieren und Pflanzen hervorrufen“ (Tatjana Alisch: Klimawandel. Klimaschutz. München 2008, S. 95).

Dieses (heute noch utopische oder auch dystopische) „Geoengineering“ liegt jedoch als „Plan B“ in mancher Institutsschublade. Ganz im Paradigma des neuzeitlichen Naturverfügungsdenkens, das man positiv als „Fortschrittsoptimismus“, negativ als „Omnipotenzphantasie der Moderne“ bezeichnen kann, scheint es als technologische Lösung des Klimawandelproblems in Frage zu kommen. Dieses Denken, in dem Machbarkeit und Bequemlichkeit gängige Muster sind, kritisiert Konrad Ott, Umweltethiker von der Universität Greifswald, in anthropologischer und moraltheoretischer Perspektive (Konrad Ott: Die letzte Versuchung. Eine ethische Betrachtung von Geo-Engineering, in: Politische Ökologie zum Thema „Geo-Engineering. Notwendiger Plan B gegen den Klimawandel?“, Nr. 120, Juli 2010, S. 40-42).

Ott analysiert mit der gebotenen Sachlichkeit Pro- und Kontra-Argumente und kommt zu dem Schluss, dass es darauf ankomme, die Dilemma-Situation zu vermeiden, die „Geoengineering“-Befürworter zur Grundlage ihrer konsequentialistischen Moral des „geringeren Übels“ machen. Solange das durch Vermeidungsstrategien gelingen könne, sei vom Eingriff in das Klimasystem abzuraten. Das Risiko sei zu groß. Hier bezieht sich Ott explizit auf Hans Jonas und sorgt damit dafür, dass die warnenden Töne seiner verantwortungsethischen Technikphilosophie in der aktuellen „Geoengineering“-Debatte gehört werden.

(Josef Bordat)