Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 16

…aber ein katholischer Priester erfand den Synthesekautschuk Neopren.

Der 1878 in Belgien geborene Julius Arthur Nieuwland war nicht der einzige Europäer, der Ende des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderte. Doch er war einer der wirkmächtigsten Migranten. Nach Studium und Priesterweihe forschte er für seine Dissertation zunächst an chemischen Fragestellungen. Dabei fand er als Ergebnis einer Acetylen-Arsentrichlorid-Reaktion ein hochgiftiges Gasgemisch.

Entsetzt über seine Entdeckung brach er die Arbeiten ab und wandte sich der Botanik zu und beschrieb eine Reihe neuer Pflanzenarten. Die Kombination von Bio und Chemie sowie seine Erfahrungen mit Acetyl brachten Nieuwland schließlich zur Entwicklung eines synthetischen Gummis, das heute nicht nur Surfer zu schätzen wissen: Neopren. Da an der Entwicklung des Neoprens auch Chemiker des Unternehmens DuPont beteiligt waren, bekam der Stoff zunächst den Namen Dupren. Bekannt wurde er allerdings unter der heute noch üblichen Bezeichnung Neopren.

Tragisch: Nachdem Julius Arthur Nieuwland seine chemischen Forschungen an dem giftigen Acetylen-Arsentrichlorid-Gemisch eingestellt hatte, setzten andere Wissenschaftler mit weniger Skrupel seine Arbeiten fort. Der Chemiker Winford Lee Lewis entwickelte 1918 auf der Basis des von Nieuwland entdeckten Acetylen-Arsentrichlorid-Reaktionsprodukts ein Giftgas (das nach ihm benannte Lewisit), das die US-Streitkräfte in der Endphase des Ersten Weltkriegs einsetzten.

Julius Arthur Nieuwland erhielt vor seinem Tod (1936) noch einige Auszeichnungen, die vielleicht wichtigste wurde ihm jedoch erst posthum zuteil: die Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame im Jahre 1996. Dort ist Father Nieuwland der einzige katholische Priester.

(Josef Bordat)