Konkrete Hilfe in der Corona-Krise

Der deutsche Fokolar Bernhard Rösch kümmert sich um Bedürftige in Kairo. Besonderes Augenmerk liegt auf den sudanesischen Flüchtlingen.

Wie viele andere Länder der Welt ist auch Ägypten derzeit von der Corona-Pandemie betroffen. Der für das Land so wichtige Tourismus ruht, Ausgangssperren schränken das sonst so lebhafte Treiben in den Straßen Kairos erheblich ein, Bildungseinrichtungen sind geschlossen, ebenso Restaurants und Cafés, Moscheen und Kirchen. Die Wirtschaft läuft nur mit angezogener Handbremse, viele Arbeitsplätze sind gefährdert oder bereits weggefallen. Besonders in den ärmeren Stadtviertel hinterlässt das tiefe Spuren. Zu den Menschen, die derzeit blanke Not leiden, gehören auch die etwa 30.000 Flüchtlinge aus dem Sudan, die zum Teil schon seit Jahren in Kairo leben.

Die Stiftung „United World“, für die der deutsche Fokolar Bernhard Rösch seit über zwei Jahren arbeitet, hilft diesen Menschen. Sie koordiniert und organisiert die Verteilung von Lebensmitteln. „In den letzten Wochen haben wir Firmen, Organisationen und Bekannte in Kairo angesprochen und um Unterstützung angefragt“, erklärt Rösch. „Das Echo hat unsere Erwartungen übertroffen. So war es uns möglich, 700 Lebensmittelpakete zusammenzustellen und direkt an Familien zu verteilen. Unser Ziel sind 1000 Pakete.“ Hilfsbereitschaft zeichne die Ägypter aus, so der Fokolar, der zuvor lange in Berlin tätig war und bereits dort enge Beziehungen zu koptischen Flüchtlingen unterhielt.

Hilfe die ankommt: Lebensmittelpakete für bedürftige Familien in Kairo. Foto: Bernhard Rösch.

Die Hilfe tut den Betroffenen gut. Eine Frau aus dem Süd-Sudan sagt: „Mein Ehemann starb im Bürgerkrieg 2016. Im gleichen Jahr kam ich mit meinen 3 Kindern nach Ägypten, sie sind jetzt 5, 7 und 12 Jahre alt. Aber in den Zeiten von Corona gibt es seit einem Monat keine Arbeit für mich, ich habe kein Einkommen. Deshalb sind diese Lebensmittel so wichtig für mich“. Eine andere Frau teilte der Stiftung mit, dass ihr Mann am Corona-Virus erkrankt sei und seit einiger Zeit nicht arbeiten könne. Es fehle deshalb an allem. „Das Paket mit den Lebensmitteln kam gerade im richtigen Moment.“

„United World“ arbeitet eng mit den Comboni-Missionaren zusammen, eine Ordensgemeinschaft aus dem 19. Jahrhundert, die ihre Anfänge im Sudan hatte und dort bis heute ganz besonders engagiert ist. Über den Berliner Comboni-Missionar Gregor Schmidt, der im Süd-Sudan wirkt, hatte ich vor einiger Zeit mal geschrieben.

Und wie geht es in Sachen Corona weiter? Bernhard Rösch ist besorgt: „Das Gesundheitssystem in Ägypten ist sehr fragil und für eine große
Zahl von Infektionen nicht gerüstet. Wir hoffen, dass die Beschränkungen ausreichen, um die Infektionskurve hier langsam abzuschwächen und zum normalen Leben zurückzukehren.“ Ihm selber gehe es gut. Voller Tatendrang stürzt er sich in die Arbeit der Stiftung, um die drängendsten Fragen der Corona-Krise zu beantworten: „Wo ist momentan die größte Not? Wo können wir helfen?“

(Josef Bordat)