Satire und Ironie

Das Problem der Stilmittel Satire und Ironie im Umgang mit Hass und Hetze ist, dass sie als solche erkannt werden müssen, d.h. als satirische und ironische Formen der Auseinandersetzung mit Hass und Hetze – und eben nicht als Hass und Hetze. Man kann sich über eine Haltung nicht lustig machen, ohne sie darzulegen. Damit verbreitet man sie. Es liegt nun am Rezipienten, ob er die Ironie erkennt (und damit die Darlegung als Kritik am Dargelegten) oder ob er sie nicht erkennt (und entsprechend von einer affirmativen Propagierung der Haltung ausgeht).

Oder, wie einer der großen Satiriker der Gegenwart, John Cleese, es sagt: „Wenn man einer Figur Unsinn in den Mund legt, über die man sich lustig machen will, heißt das nicht, dass man ihre Meinungen verbreiten will, sondern, dass man sich darüber lustig macht.“ So geschehen in der von Cleese entwickelten BBC-Reihe „Fawlty Towers“ aus den 1970er Jahren, in der er einen misanthropen Hotelbesitzer namens Basil auch mal schlecht über Menschen und Menschengruppen reden lässt. Hinzu kommen immer mal wieder einige Hotelgäste oder sonstige Nebenfiguren mit skurrilen Ansichten.

Das fällt der Produktion nun auf die Füße. Die (herrliche) Episode „The Germans“ („Don’t mention the war“) wird seit dem 11. Juni nicht mehr gestreamt, weil sie Rassismus verbreite. Das Traurige daran: Die Initiatoren dieser Maßnahme müssen Gründe haben zu meinen, die Tiraden Basils und insbesondere die rassistische Wortwahl des „Major Gowen“ könne jemand ernsthaft nicht als Satire erkennen. John Cleese: „The Major was an old fossil left over from decades before. We were not supporting his views, we were making fun of them. If they can’t see that, if people are too stupid to see that, what can one say?“

No further questions.

(Josef Bordat)