Lohngerechtigkeit

Was ist eigentlich ein gerechter Lohn? Diese Frage stellt sich immer wieder, angesichts von systemrelevanten, aber unterbezahlten Branchen wie dem Gesundheits- und Pflegesektor, aber auch eingedenk der Millionengehälter in Fußballclubs oder Wirtschaftsunternehmen. Eine Antwort zu finden, ist nicht einfach, denn Gerechtigkeitsfragen lassen sich immer aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Sicher spielt die Bedeutung der Tätigkeit als solche eine Rolle (da wäre die Notärztin dem Ersatztorwart vorzuziehen, obgleich jeder Ersatztorwart in der Bundesliga das zigfache aller Notärzte eines Krankenhauses verdient), sicher auch die individuelle Leistung (es gibt gute und weniger gute Altenpfleger, Filialleiterinnen oder Sportdirektoren), in einem Marktsystem auch die Frage des finanziellen Gegenwerts. Und bei Cristiano Ronaldo schauen halt mehr Menschen hin als bei einem Berufsschullehrer oder Schlachter.

Wir können das nicht von heute auf morgen besser regeln (was immer das hieße – von Mindestlohn bis Gehaltsobergrenze). Die wenigsten Menschen entscheiden zudem direkt über die Einkünfte der Anderen, doch wir alle haben darauf indirekt Einfluss. Wir können unseren Konsum auf Lohngerechtigkeit einstellen, wenn wir beim Einkauf daran denken, dass Geiz nicht „geil“ ist, sondern gerechtigkeitsfern und gottlos. Denn hinter Billigwaren stehen Niedriglöhne. Irgendjemand muss bezahlen. Und wenn nicht wir das nicht sind, dann sind das eben die Anderen.

Bei der Behebung von sozialen Missständen kommt es auf tatkräftige Maßnahmen und konkrete Schritte an. Gehen wir sie!

(Josef Bordat)