Euro 2020

Gäbe es das neue Corona-Virus nicht, stünden wir jetzt bei der Fußball-EM mitten in der KO-Phase, kurz vor dem Viertelfinale. Die sozialen und auch die asozialen Medien wären voll der Analysen und Prognosen. Statt 82 Millionen Virologen gäb es 82 Millionen Bundestrainer. Da dem nun nicht so ist, weil Bill Gates es anders wollte, müssen wir uns gedulden. 2021 gibt es die „Euro 2020“. Das heißt: „gedulden“ ist eigentlich falsch. Wir wissen doch längst, wie so was läuft. Steht ja schon in der Bibel.

Es versammeln sich „eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ (Offb 7, 9), ARD und ZDF zahlen der UEFA „sechshundertsechsundsechzig Goldtalente“ (1 Kön 10, 14), umgerechnet 333 Millionen Schweizer Franken und für vier Wochen versinkt Europa in „ein Trinkgelage, wie es die jungen Leute zu machen pflegen“ (Ri 14, 10). Die UEFA war ziemlich „mächtig“ (Ps 24, 8) und „reich“ (Lk 6, 24) und „wohnte deshalb“ (Ri 1, 33) in Nyon, Schweiz. „Der Herr des Landes“ (Gen 42, 30) war ihr seit langem der „gute Verwalter“ (1 Petr 4, 10), denn ihr „gewährte er einen Steuererlass“ (Est 2, 18).

Bundestrainer Joachim Löw, der schon „seit vielen Jahren“ (Apg 24, 10) ohne „Balak plante“ (Mi 6, 5) und wegen der zahlreichen „jungen Männer“ (Jos 6, 23) in den „eigenen Reihen“ (1 Mak 10, 37) etwas „unsicher geworden war“ (Apg 27, 9), nachdem die letzte WM „in der Provinz in großer Not und Schmach“ (Neh 1, 3) endete, dachte „des Nachts“ (Spr 31, 18): „Befrei mein Herz von der Angst, führe mich heraus aus der Bedrängnis!“ (Ps 25, 17). Denn gleich „im Anfang“ (Gen 1, 1) sollte es zum Duell „David“ (1 Sam 17, 12) gegen „Goliat“ (1 Sam 17, 4) kommen: Deutschland „gegen“ (Hi 19, 5) Portugal.

Die Stimmung „im Stadion“ (1 Kor 9, 24) war großartig: „Heman und Jedutun hatten Trompeten und Zimbeln“ (1 Chr 16, 42) mitgebracht, „erhoben sich von ihrem Platz und schauten“ (Gen 18, 16) „begeistert“ (2 Mak 8, 27) „aufs Feld“ (Gen 4, 8). Das Spiel ging hin und her, rauf und runter, „von Tor zu Tor“ (Ex 32, 27).

Es war die 63. Spielminute, „als Esau erschöpft vom Feld kam“ (Gen 25, 29). Kurz darauf „wurde David müde“ (2 Sam 21, 15). Zu allem „Überfluss“ (Phil 4, 18) kam dann auch noch „Pech“ (Jes 34, 9) hinzu, denn Timo Werner „hatte sich verletzt“ (2 Kön 1, 2); gerade noch „auf den Flügeln des Sturmes“ (Ps 104, 3), riet ihm der Mannschaftsarzt jetzt, „er bade seinen Fuß in Öl“ (Dtn 33,24). Da sprach der Bundestrainer: „Es freut mich, dass Stephanas, Fortunatus und Achaikus zu mir gekommen sind; sie sind mir ein Ersatz für euch“ (1 Kor 16, 17). Und er wusste, dass er nun nicht mehr „auswechseln“ (Lev 27, 10) konnte, auch nicht, wenn das Spiel (einschließlich Nachspielzeit) „zwei Tage dauerte oder einen Monat oder noch länger“ (Num 9, 22).

„Einige Zeit später“ (Gen 40, 1) beschwert sich Cristiano Ronaldo, „einer der führenden Männer“ (Mt 9, 18) im europäischen Fußball, beim „Schiedsrichter“ (1 Sam 2, 25): „Er, der im Sturm mich niedertritt, ohne Grund meine Wunden mehrt“ (Hi 9, 17), grätscht mir zwischen die Beine, als wolle er meinen „ganzen Besitz mit harten Schlägen treffen“ (2 Chr 21, 14). Ich könnte „heulen vor Verzweiflung“ (Jes 65, 14)! Doch der „Schiedsrichter“ (Ex 2, 14) bewahrt „die Ruhe“ (Koh 10, 4): „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht“ (Mt 20, 13).

Ronaldo kann „kurz darauf“ (Apg 27, 14) noch einmal den Ball „zu den Ältesten der Stadt ans Tor bringen“ (Dtn 22, 15). Doch was für ein „verheerender Sturm“ (Jes 28, 2): „Die Männer“ (Gen 18, 16) „fielen, noch bevor sie das Tor erreicht hatten“ (Ri 9, 40). Klare Sache: „Schwalbe“ (Spr 26, 2)! Kein Elfmeter! Da war eindeutig „Lüge im Spiel“ (Ex 23, 7). „Nicht Siegesgeschrei, auch nicht Geschrei nach Niederlage ist das Geschrei, das ich höre“ (Ex 32, 18), meint der Kommentator. Kein Ball „geht durch das enge Tor“ (Mt 7, 13). Ein schmeichelhaftes Unentschieden, mit dem „beide“ (Gen 13, 6) leben können. „Das ganze Volk erhob ein lautes Jubelgeschrei“ (Esr 3, 11). Wir sind sehr „bescheiden“ (1 Tim 2, 9) geworden.

(Josef Bordat)