Heimsuchung

Heimsuchung – ein eher problematischer Begriff, der heute betrachtet wird. Maria wurde von Gott heimgesucht, weil Gott sein Volk heimsuchen will, um es zu retten. Diesmal direkt, nicht vermittels der Propheten. Dabei schwingt das schlechte Bild mit, das wir von Heimsuchungen haben: Kriege, Katastrophen, Corona. Wir werden heimgesucht vom Übel.

Geklammert wird die Heimsuchung als negative Erfahrung mit der Heimsuchung Gottes als Erfahrung der besonderen Gnade durch die Art der Konfrontation: mächtig, plötzlich, unerwartet. Das gilt auch für die Heimsuchung Marias, nur ist die Macht Gottes eine Macht der Liebe, die Maria Gutes widerfahren lässt.

Der Besuch Elisabeth erweist dieses Gute. Es kommt zu der Begegnung zweier Frauen, die beide ein Kind erwarten, obwohl sie dies vor kurzer Zeit noch nicht erwarten konnten – die eine, Elisabeth, nicht mehr, die andere, Maria, noch nicht. Lukas schildert ihre Begegnung ausführlich und verdichtet sie theologisch.

Das heutige Evangelium hat es liturgisch in sich. Zuerst grüßt Elisabeth ihre Nichte mit den Worten, die das Ave Maria einleiten, ein Grundgebet des Christentums katholischer Prägung, das z.B. im Rosenkranzgebet eine zentrale Rolle spielt. Maria spricht als Antwort auf den Gruß Elisabeths das Magnifikat, das in jeder Vesper gesungen wird.

Auch für unseren Glauben ist die Heimsuchung ein zentrales Motiv. Wir alle suchen heim. Maria kann uns den Weg ebnen, auch wirklich heim zu finden. Sie ist das Urbild der Kirche, die Proto-Christin, an der wir uns orientieren können und sollen. Das „Siehe, Deine Mutter“, das Jesus vom Kreuz herab zu Johannes spricht, gilt uns allen.

(Josef Bordat)