Reichtum

Im Grunde sind wir alle arm, wir Menschen. Nur haben wir Menschen mal mehr und mal weniger Geld zur Verfügung. Darauf komme es nicht an, sagt das christliche Bewusstsein. Wenn wir über Reichtum sprechen, zählen andere Dinge.

Trotzdem sollten wir uns ab und an über den schnöden Mammon unterhalten, schließlich ermöglicht er viel von dem, was nötig wäre, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Oder eben – durch sein Fehlen – diese Verbesserungen zu verhindern.

Gerne wird die Kirche in die Pflicht genommen. Übersehen wird dabei, dass die Kirche über ihre Diözesen, die Ordensgemeinschaften und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen schon eine ganze dazu beiträgt, dass die Welt jeden Tag ein bisschen besser wird.

Übersehen wird auch, dass die Kirche so reich gar nicht ist. Das Vermögen des Vatikan liegt bei rund sechs Milliarden US-Dollar, das Vermögen von Herrn Bezos bei rund 139 Milliarden US-Dollar. Warum fragt man nicht zuerst ihn? Was der Vatikan könnte, könnte Herr Bezos 23mal.

Die 1500 reichsten Menschen der Welt haben ein Vermögen von sechs Billionen US-Dollar – das tausendfache des Vatikan. Also: Bevor man in der Sixtinischen Kapelle den Putz von der Decke schlägt und bei Sotheby’s (oder auf Ebay) versteigert, sollten erstmal die Alternativen abgeklopft werden.

Private Investitionen in Umwelt und Gesundheit sind nötig. Ob Bill Gates (der die Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs fördert) oder Jeff Bezos (der mit 10 Milliarden US-Dollar helfen will, den Klimawandel zu bekämpfen) – das Engagement der Superreichen ist richtig und wichtig.

Doch bitte auch da, wo die medialen Scheinwerfer nicht hinstrahlen. Zum Beispiel nach Afrika, wo der Malaria immer noch hunderttausende Menschen jährlich zum Opfer fallen, darunter viele Kinder. Malaria ist eine Geißel für den ganzen Kontintent, dessen gesamte Entwicklung – politisch, wirtschaftlich, sozial – unter der tückischen Infektionskrankheit leidet.

Es gibt Menschen, die Medizin studiert haben und meinen, die Behandlung von Malaria sei wissenschaftlich gut verstanden und werde in den Industriestaaten regelmäßig erfolgreich angewandt. Es sei möglich, die Malaria bis 2030 weltweit auszurotten, wenn man nicht 600 Millionen Euro (EU) oder 258 Millionen Dollar (Bill Gates) in die Hand nähme, sondern etwa 100 Milliarden Dollar.

Das ist eine Menge Geld. Der Papst wäre überfordert. 100 Milliarden Dollar. Das entspricht 1,7 Prozent des Vermögens der 1500 reichsten Menschen. Wenn diese ihr Vermögen mit durchschnittlich 6,8 Prozent Rendite pro Jahr investiert haben (und das haben sie sicherlich), reichen ihre Gewinne aus drei Monaten, um das Thema Malaria für immer zu beenden. Und damit die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

(Josef Bordat)