Kurt Huber

Heute vor 77 Jahren wurde Kurt Huber, der Professor der „Weißen Rose“, hingerichtet, weil er „die Wiederherstellung der Legalität“ gefordert hatte.

Kurt Huber war ein deutscher Philosoph, Psychologe und Musikwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bekannt wurde der am 24. Oktober 1893 in Chur (Schweiz) geborene Intellektuelle als Widerstandskämpfer und Mitglied der „Weißen Rose“.

Eine Quelle seines Widerstands ist sein Glaube: Huber ist katholisch. In einem Schreiben Herbert Gerigks an den Reichsstudentenführer vom 19. November 1936 heißt es: „Hubers Bindungen zum Katholizismus und sogar eine ausgesprochen parteifeindliche Haltung sind eindeutig erwiesen“.

Kurt Huber, Passbild aus dem Dozentenausweis. Abfotographiert von einer Informationstafel in der Dauerausstellung zur „Weißen Rose“ in der Ludwig-Maximilians-Universität München. Foto: JoBo, 4-2017.

Schon die Nazis unterstellten offenbar einen Zusammenhang, den wir heute anhand von Schriftzeugnissen klar aufweisen können: Weil Huber katholisch war, war er parteifeindlich. Und weil er ein Mensch war, der sich weigerte, das Denken einzustellen.

Kurt Huber kommt an der Uni in Kontakt mit den Studenten Hans und Sophie Scholl. Im Sommer 1942 folgen die ersten Treffen des Professors mit der „Weißen Rose“. „Musikalische Abende“, so nennen sie ihre geheimen Zusammenkünfte, bei denen Kurt Huber auch von den Flugblattaktionen erfährt.

Als Katholik war er bis zu diesem Zeitpunkt in ständigem Gewissenskonflikt. Huber litt unter den äußeren Zwängen des nationalsozialistisch kontrollierten Hochschulbetriebs, aber auch unter der inneren Zerrissenheit. Die Niederlage von Stalingrad, die mit der Kapitulation der 6. Armee am 2. Februar 1943 besiegelt war, ließ ihn schließlich endgültig zum Aktivisten werden. In einer Vorlesung sagt er ganz offen: „Die Zeit der Phrasen ist vorbei“.

Huber arbeitet am fünften Flugblatt der Widerstandsgruppe mit, das sechste schreibt er selbst. Darin ruft er zur „Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser deutsches Volk je erduldet hat“ auf.

Leider kommt „die Zeit der Abrechnung“ zunächst ganz anders als geplant. Am 18. Februar 1943 werden Sophie, Hans und ihr Freund Christoph Probst von Jakob Schmid, dem Hausmeister der Münchner Universität, bei der Verbreitung des Flugblatts ertappt und angezeigt. Noch am selben Tag werden die drei von der Gestapo verhaftet und bis zum 20. Februar intensiv verhört.

Am 22. Februar werden die drei LMU-Studenten zum Tode verurteilt – wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung“, „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Wehrkraftzersetzung“. Noch am gleichen Tag werden sie durch das Fallbeil hingerichtet. Kurz darauf zieht die Gestapo los und zerschlägt die „Weiße Rose“. Am 27. Februar 1943 wird neben einigen anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe auch Professor Kurt Huber verhaftet.

Im zweiten Weiße Rose-Prozess im Münchner Justizpalast stehen am 19. April 1943 insgesamt 14 Angeklagte vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler. Es dauert 14 Stunden, bis die Urteile gesprochen werden. Kurt Huber, Alexander Schmorell und Willi Graf erhalten die Todesstrafe. Richter Freisler, der sonst alle niederschreit, wird von Professor Huber direkt angesprochen und attackiert.

In seiner Verteidigungsrede sagte Huber: „Ich habe mich im Sinne von Kants kategorischem Imperativ gefragt, was geschähe, wenn diese subjektive Maxime meines Handelns ein allgemeines Gesetz würde. Darauf kann es nur eine Antwort geben! Dann würde Ordnung, Sicherheit, Vertrauen in unser Staatswesen, in unser politisches Leben zurückkehren“.

Mit Kants kategorischem Imperativ als Maßstab vor Augen fordert Huber nicht weniger als „die Freiheit für unser deutsches Volk zurück“. Die Nachwelt sollte ihm in seiner Grundhaltung Recht geben: „Rückkehr zu klaren sittlichen Grundsätzen, zum Rechtsstaat, zu gegenseitigem Vertrauen von Mensch zu Mensch; das ist nicht illegal, sondern umgekehrt die Wiederherstellung der Legalität“.

Drei Monate nach dem Scheinprozess vor dem Volksgerichtshof wird Huber am 13. Juli 1943 hingerichtet.

Für die Kirche ist er ein leuchtendes Vorbild im Glauben: 1999 wird Kurt Huber als einer der „Blutzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus“ in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Im Bewusstsein der Kirche lebt er auch im Alltag weiter, als Namensgeber katholischer Einrichtungen, vor allem im Bildungsbereich. So ist etwa die Akademikerseelsorge des Erzbistums Berlin im „Kurt-Huber-Kreis“ organisiert. Doch auch den Menschen außerhalb der Katholischen Kirche kann Kurt Huber etwas mit auf den Weg geben: den Wert der Freiheit.

(Josef Bordat)