Das Reichskonkordat

Am 10. September 1933 ratifizierte Papst Pius XI. das Reichskonkordat, mit dem das Verhältnis zwischen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich und der Katholischen Kirche geregelt wurde.

Zumindest auf dem Papier. Denn während es dem politischen Katholizismus ein Ende bereitet hat (das Zentrum hatte sich bereits am 5. Juli 1933 aufgelöst), hinderte der Vertrag das NS-Regime nicht daran, katholische Christen zu verfolgen. Auch wenn die Kirche offiziell unangetastet blieb, taten die Nazis alles, um engagierten Christen das Leben schwer zu machen. Das hatte z.T. ganz banale Formen, etwa, dass HJ-Veranstaltungen Sonntags zwischen 9 und 12 Uhr stattfanden, um die Familie, die dann üblicherweise gemeinsam in den Gottesdienst ging, zu spalten bzw. zu einer Entscheidung zu nötigen.

Die zunehmende Diskreditierung des Katholizismus in der NS-Zeit ging trotz des Konkordats unvermittelt weiter. Schmutzkampagnen gegen die Jesuiten, haltlose Missbrauchsvorwürfe und Himmlers private Hexenforschung, die Absurditäten wie die „neun Millionen Opfer“ popularisierte, mit Wirkung bis heute – fand in zahlreichen „Stürmer“-Karikaturen Ausdruck und führte sogar zu Solidaritätsbekundungen aus der unverdächtigen sozialistischen Ecke: So wurde in der Sonderausgabe „Juden im III. Reich“ der „Arbeiter-Illustrierte-Zeitung“ (Prag 1936) auch der Antikatholizismus der Nazis getadelt.

Das Vorgehen der Nazis gegen widerspenstige Katholiken zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Kirche den neuen Machthabern unbequem war, auch nach dem Reichskonkordat. Über 2000 Priester und Ordensleute sind ab 1933 in Konzentrationslager verschleppt worden; die meisten nach Dachau. 95 Prozent der in Dachau inhaftierten Geistlichen waren katholisch. Die Verfolgung war aber nicht flächendeckend und betraf auch nicht die Kirche als Institution, doch in der Tat hatte das Regime vor, nach einem gewonnenen Krieg und der Ausrottung der Juden als nächstes die Kirche zu vernichten; Aufzeichnungen des Propagandaministers Joseph Goebbels zeigen dies.

Oft wird die Kirche für den „Pakt mit Hitler“ kritisiert. Nur: Hätte es eine andere Möglichkeit gegeben? Wie hätte diese aussehen können? Einem erpresserischen Machtregime gegenüberzutreten, ist kein Vergnügen und unser Urteil muss sich an den damals herrschenden Verhältnissen orientieren. Die Katholische Kirche hat sich damals aus Gründen des Selbstschutzes und des Schutzes ihrer Gläubigen (immerhin etwa 45 Prozent der deutschen Bevölkerung) mit dem NS-Regime arrangiert. Zwangsläufig, notgedrungen, nicht aus innerer Überzeugung.

(Josef Bordat)